Autor: Katica Djakovic

Der Ohrenbügel

Serie zur Sammlung Roth (Folge 88)
Die ersten optisch geschliffenen Gläser, die zum Ausgleich der altersbedingten Weitsichtigkeit dienten, hielt man sich entweder dicht vor das Auge oder wie beim heutigen Vergrößerungsglas nahe vor das zu betrachtende Objekt. Beim Lesestein beziehungsweise späteren Einglas geschah dies noch ohne Halterung, später wurde die Vergrößerungshilfe wie bei der Lupe mit einer Fassung versehen, an der sich ein kleiner Holzgriff befand. Aus zwei solchen Gläsern, an ihrem Ende miteinander beweglich fixiert, entstand die Nietbrille, die man sich über zwei Jahrhunderte lang mehr oder weniger fest auf die Nase klemmte. Das galt auch für die späteren, in biegsamen Draht- oder Ledergestellen gefassten Brillengläser. Diese und auch ihre Folgemodelle mit festem Nasensteg – wie der Zwicker oder 
Kneifer – kennzeichnete ein instabiles Sitzverhalten.

Pionier und Motor der digitalen Revolution in der Augenheilkunde

Vor rund sechs Jahren wurde an der MedUni Wien in Kooperation zwischen dem Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik und der Universitätsklinik für Augenheilkunde der MedUni Wien die hochauflösende optische Kohärenztomographie (OCT) entwickelt: Ein bildgebendes Verfahren, das ähnlich dem Ultraschall – allerdings berührungslos – genaue Schichtbilder der Netzhaut zeigt. Mit Unterstützung der in jüngster Zeit an der Medizinischen Universität Wien entwickelten Algorithmen lassen sich damit binnen weniger Sekunden Erkrankungen der Netzhaut frühzeitig diagnostizieren und gezielt behandeln, so die Medizinische Universität und betont damit ihre Rolle als Pionier und zugleich Motor der digitalen Revolution in der Augenheilkunde – eine Revolution, die nun vor dem weltweiten Durchbruch stehe.

Zukunftstechnologien als Weg aus dem Fachkräftemangel?

Delegation, Vernetzung, mobile Versorgung, künstliche Intelligenz und Robotik
Fachkräftemangel gepaart mit steigenden Patientenzahlen werden die Akteure in der Augenheilkunde und der Gesundheitspolitik dazu zwingen, neue und effiziente Versorgungsformen aufzubauen. Eine Lösung des Problems kann in der Digitalisierung beziehungsweise den zukunftsfähigen Technologien wie der künstlichen Intelligenz und der Robotik liegen, die das Potential haben, Arbeitsplätze effizienter auszugestalten. Laut Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lassen sich 14 Prozent der Tätigkeiten eines Facharztes für Augenheilkunde automatisieren. Welche Möglichkeiten aktuell bereits zur Verfügung stehen und welche 
innovativen Ansätze gegenwärtig zur Marktreife entwickelt werden, beschreiben Dr. Thomas Haupt und Prof. Alireza Mirshahi (Bonn).

Keratokonus-Screening mittels biomechanischer Scheimpflug-Analysen

Eine Evaluation aktueller Indices
Mit der Entwicklung eines biomechanischen Index (Corvis Biomechanischer Index, CBI), gemessen mit dem Corvis-ST, und eines kombiniert tomographischen und biomechanischen Index (TBI), ermittelt aus Messdaten des Corvis-ST und der Pentacam-HR, wurde laut aktueller Studienlage eine bisher unerreichte Screening-Genauigkeit des Keratokonus erzielt. Im Rahmen einer Studie wurde überprüft, ob sich die hervorragenden Ergebnisse zum Keratokonus-Screening mittels TBI reproduzieren lassen und ob die neuen in-vivo biomechanischen Analysen die Genauigkeit des aktuellen Keratokonus-Screening-Goldstandards der topographischen und tomographischen Analysen übertreffen und somit auch potentiell sicher subklinische Formen des Keratokonus identifizieren können. Priv.-Doz. Dr. Johannes Steinberg, FEBO, Dr. Andreas Frings, Priv.-Doz. Dr. Toam Katz und Priv.-Doz. Dr. Stephan J. Linke erläutern die Ergebnisse.

Die stadiengerechte Stufentherapie beim Keratokonus

Für den Erfolg einer Therapie bei Keratokonus stellt vor allem das frühzeitige Erkennen der Erkrankung beziehungsweise seiner Progression einen bedeutenden Faktor dar. Dr. Sebastian Siebelmann, Priv.-Doz. Dr. Mario Matthaei, FEBO, Priv.-Doz. Dr. Friederike Schaub, Priv.-Doz. Dr. Manuel Hermann, Prof. Björn Bachmann und Prof. Claus Cursiefen (Köln) geben einen Überblick über die aktuelle stadiengerechte Stufentherapie beim Keratokonus und einen Ausblick auf mögliche neue therapeutische Optionen.

Vorpräparierte lamelläre Hornhauttransplantate

Studienergebnisse zur Precut- und Preloaded-DMEK
Während die Technik der DMEK-Implantation von erfahrenen Vorderabschnitt-Chirurgen relativ rasch erlernt wird, bleibt die manuelle Präparation der Spenderlamelle ein Unsicherheitsfaktor. Immer häufiger werden vorpräparierte DMEK-Lamellen direkt aus der Gewebebank nachgefragt, doch bislang verfügen nur die Gewebebanken in Sulzbach und Hannover über die Genehmigung zur Herstellung und zum Inverkehrbringen dieser Lamellen. In zwei Studien konnten die Augenklinik Sulzbach und die DGFG zeigen, dass vorpräparierte Lamellen im Langzeitverlauf mindestens genauso sicher sind wie eigenpräparierte Lamellen. Zusätzlich liegen erstmals Daten der Zulassungsstudie zur neuen Preloaded-DMEK aus der Augenklinik Sulzbach vor, die Prof. Peter Szurman, Dr. Annekatrin Rickmann, FEBO, Dr. Nicola Hofmann, Dr. Arno Haus, FEBO, Regina Michaelis, Tanja Petrich, Dr. Lutz Blomberg, Martin Börgel und Dr. Silke Wahl im Folgenden erläutern.

Berliner Immunologie Seminar 2018

„Infektion? – Autoimmun? – Autoinflammation?“
Das diesjährige Berliner Immunologie Seminar (BIS) fand am 2. Juni traditionell im Kaiserin-Friedrich-Haus in Berlin unter der Leitung von Prof. Uwe Pleyer, Augenklinik der Charité Berlin, Campus Virchow Klinikum, statt. Die verschiedenen Vorträge der Referenten zum breiten Spektrum entzündlicher Augenerkrankungen umfassten viele neue „Einblicke und Ausblicke“. Dr. Dominika Pohlmann (Berlin) berichtet über einige ausgewählte Aspekte des Tagungsprogramms.

Tränenwegsendoskopie im Kindesalter

Die konnatale Dakryostenose (KDS) gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern der Kinderophthalmologie. Durch die vorhandenen Therapieoptionen, die sich in ein Stufenkonzept zusammenfassen lassen, ist in den meisten Fällen eine Heilung möglich. Dennoch kommt es mitunter zu komplizierten Verläufen, die ein Ausschöpfen der Behandlungsmöglichkeiten erfordern. Dr. Jens Heichel (Halle) stellt die verschiedenen Methoden dar und diskutiert die Erfolgsraten und Komplikationen der Dakryoendoskopie im Kindesalter.

Das Monokel

Serie zur Sammlung Roth (Folge 87)
Zum Ausgleich einer Fehlsichtigkeit sind optisch brechende Gläser erforderlich, doch nicht jeder konnte sich im ausgehenden Mittelalter schon eine Brille leisten. Eine preiswerte Alternative war das Einglas. Auch als Monokel bezeichnet wurde es, wie sein Name schon sagt, nur vor ein Auge gehalten. Es diente im Gegensatz zur Brille nur als kurzzeitige Sehhilfe, so konnte auch die Notwendigkeit, eine Sehhilfe tragen zu müssen, gut verschleiert werden. Im 16. Jahrhundert soll es erstmals in den Handel gekommen sein, als Lorgnon oder Stielglas hielt man sich damals das Glas, wie die heutige Lupe an einem Griff befestigt, vor das eine oder andere Auge.