Mangelnde KL-Hygiene kann Infektionen verursachen

Weltweit tragen rund 140 Millionen Menschen Kontaktlinsen. Etwa drei Viertel der Kontaktlinsenträger vernachlässigen Hygiene und Pflege ihrer Sehhilfen. Die Folge können Infekte im Auge sein, etwa eine Bindehaut- oder eine mehr oder weniger schwere Hornhautentzündung. Mit dem passenden Pflegemittel und einfach zu handhabender Hygiene lässt sich dieses Risiko minimieren. Besonders wichtig sei die Desinfektion der Kontaktlinsen, betonen Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). In keinem Fall sollten Kontaktlinsenträger die Linsen mit Leitungswasser reinigen.

Welche Pflegemittel sich eignen, hängt vor allem vom Kontaktlinsenträger ab: Allergikern zum Beispiel empfehlen Mediziner Reinigungssysteme auf Peroxidbasis, da sie keine Konservierungsmittel enthalten. Auch beim Auftreten sogenannter Stippen, kleiner Schäden auf der Hornhautoberfläche, kann ein Wechsel zu Peroxidsystemen sinnvoll sein, schreibt Biologe Dr. rer. nat Sandor Blümle, Experte für Kontaktlinsenhygiene, in der Fachzeitschrift „Der Ophthalmologe“. Da Peroxidsysteme jedoch im Gebrauch etwas zeitaufwendiger sind, nutzen rund 90 Prozent der Kontaktlinsenträger Studien zufolge mittlerweile Kombi- oder Multifunktionslösungen. Alle Reinigungs- und Desinfektionsmittel unterliegen einer Norm: Der Hersteller muss sicherstellen, dass die Zahl gefährlicher Bakterien und Pilze reduziert wird. Ein Problem dabei, auf das Blümle hinweist: Die Lösungen erreichen nicht alle Erreger, außerdem finden die Tests nur unter Laborbedingungen statt.

Auf eine mechanische Reinigung ihrer Linsen vor der Desinfektion sollten Kontaktlinsenträger in keinem Fall verzichten – auch nicht bei Verwendung sogenannter „No-Rub-Lösungen“. In den USA steht auf allen Beipackzetteln von Reinigungssystemen, dass zusätzlich zur Spülung der Linsen mit der Lösung auch eine manuelle Reinigung vorgeschrieben ist. Diese Hinweise, so die Autoren des Fachartikels, seien eine Reaktion auf eine Reihe von Infektionen unter anderem durch Akanthamöben: Diese Einzeller können in die Hornhaut des Auges eindringen, sich dort ablagern und gefährliche Entzündungen hervorrufen.

Also nicht allein immer weiter entwickelte Substanzen verbessern die Pflege: „Nicht selten scheitert die Hygiene bereits am gründlichen Händewaschen vor dem Einsetzen der Linsen“, meint DOG-Präsident Professor Dr. med. Berthold Seitz aus Homburg/Saar. Und ebenso wichtig wie die Desinfektion der Linsen ist die Reinigung des Behälters. Auch dabei ist Leitungswasser tabu. Am besten ist es, den Behälter mit der Lösung auszuspülen und an der Luft trocknen zu lassen. In regelmäßigen Abständen sollte er zusätzlich mit einer Kochsalzlösung gereinigt und spätestens nach drei Monaten gegen einen neuen Behälter ausgetauscht werden.

Seitdem Kontaktlinsen frei verfügbar sind und Internetnutzer sie leicht online bestellen können, würden immer seltener Anpassungen in einer Facharztpraxis vorgenommen, sagt Professor Seitz. „Kontaktlinsen sind jedoch Medizinprodukte und sollten auch so behandelt werden“, betont der Mediziner. Kontaktlinsenträger sollten im Zweifel immer augenärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

(Quellen: Khaireddin, K.: Kontaktlinsen aus der Sicht des Ophthamologen, Ophthamologe 2013/6, 500-501, DOI 10.1007/s00347-012-2767-9
Blümle, S., Kaercher, T., Khaireddin, K.: Richtige Kontaktlinsenhygiene, Ophthamologe 2013/6, 522-527, DOI 10.1007/s00347-012-2769-7)

Quelle:
DOG
http://www.dog.org

Ähnliche Beiträge