Initiative zur Zertifizierung von Entzündungszentren
Die Entzündungsmedizin steht vor einem grundlegenden Wandel: Statt allein auf das betroffene Organ zu schauen, setzen moderne Therapiekonzepte auf stärker personalisierte Behandlungen, die die zugrunde liegenden Entzündungs- und Immunprozesse im Körper berücksichtigen. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, haben die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) sowie die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) eine gemeinsame Initiative zur Zertifizierung interdisziplinärer Entzündungszentren gestartet.
„Bereits heute existieren erste interdisziplinäre Zentren für Entzündungsmedizin, die sich in der klinischen Versorgung bewährt haben“, sagt Prof. Hanns-Martin Lorenz, Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und rheumatologischer Sprecher des Interdisziplinären Zentrum für Entzündungsmedizin Heidelberg (IZEH) sowie Vorsitzender der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren der DGRh. Mit der neuen Initiative zielen die Fachgesellschaften darauf ab, vorhandene Ansätze in eine bundesweit einheitliche Struktur zertifizierter Zentren zu überführen. Vorbild ist dabei die Onkologie: Dort haben strukturierte interdisziplinäre Tumorboards und zertifizierte Zentren maßgeblich zur Qualitätsverbesserung in der Versorgung beigetragen.
Mit der konstituierenden Sitzung am 4. März wurde ein erster wichtiger Schritt gemacht. Zunächst definiert die Kommission für die drei beteiligten Disziplinen Dermatologie, Gastroenterologie und Rheumatologie gemeinsame Qualitätskriterien. „Ziel ist es, ein abgestuftes System zertifizierter Zentren zu etablieren, das die unterschiedlichen Versorgungsbedarfe der Entzündungsmedizin abbildet“, sagt Prof. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Hautklinik der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Sprecher der Kommission zur Zertifizierung von Entzündungszentren für die DDG. Ein weiterer zentraler Bestandteil der Initiative ist die systematische Wissensgenerierung. Durch strukturierte Dokumentation und harmonisierte Datensätze soll künftig ein gemeinsames nationales Register für die Entzündungsmedizin entstehen. Dieses soll helfen, langfristige Krankheitsverläufe besser zu verstehen und Erkenntnisse für die individuelle Therapieentscheidung zu gewinnen.
Quelle: DGVS, DGRh, DDG


