Erfolgreiches Jahresevent der Augenchirurginnen in Berlin
Mit großem Erfolg ist am 9. Mai das zweite Jahresevent des Netzwerks „Die Augenchirurginnen e.V.“ im Scandic Hotel Berlin Potsdamer Platz zu Ende gegangen. An zwei Veranstaltungstagen kamen Augenchirurginnen und Augenchirurgen aus dem deutschsprachigen Raum sowie internationale Gäste zusammen, um sich fachlich auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam an Themen der Gendergerechtigkeit in der Ophthalmochirurgie zu arbeiten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Anja Liekfeld, Vorsitzende des Vorstandes und Chefärztin der Augenklinik am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, und der Programmkommission bot die Veranstaltung ein inhaltlich dichtes und zugleich inspirierendes Programm.
Das wissenschaftliche Programm überzeugte durch eine Reihe herausragender Übersichtsvorträge zu den zentralen Säulen der Ophthalmochirurgie. Priv.-Doz. Dr. Christina Leydolt aus Wien eröffnete den fachlichen Teil mit einem Update zur Kataraktchirurgie, Prof. Dr. Anna-Karina Maier-Wenzel (Berlin) gab einen umfassenden Einblick in die aktuelle Hornhautchirurgie und Priv.-Doz. Dr. Katharina Krepler (Wien) präsentierte die neuesten Entwicklungen in der Netzhautchirurgie mit dem Fokus auf die Entscheidungspfade in der Makulachirurgie. Ein besonderes Highlight setzte Lilly Wagner MD von der Mayo Clinic in Rochester/USA mit ihren Vorträgen zur okuloplastischen Lid- und Orbitachirurgie sowie zu den Erfahrungen von Frauen in der Ophthalmochirurgie in den USA.
Großen Anklang fand auch der Impulsvortrag von Martin Speer, Ko-Autor des Buches „Wenn die letzte Frau den Raum verlässt“, zum Thema „Male Allyship – warum brauchen wir das und wie kann es gelingen?“. Mit beeindruckenden Zahlen aus aktuellen Erhebungen des Marburger Bundes und der Ärztezeitung machte er die strukturellen Ungleichheiten in der Medizin sichtbar und unterstrich eindrücklich, wie weit der Weg zu echter Gendergerechtigkeit noch ist. Anschaulich erörterte er, warum Male Allyship – die aktive Unterstützung durch männliche Kollegen – ein unverzichtbarer Hebel für nachhaltige Veränderung ist und welche konkreten Schritte jeder Einzelne im beruflichen Alltag gehen kann, um Frauen in Führungspositionen, in der Wissenschaft und in der operativen Medizin gezielt zu fördern. Sein Vortrag bot nicht nur fundierte Daten, sondern auch konkrete Handlungsperspektiven – und setzte damit einen starken Impuls für die anschließende Diskussion.
Prof. Dr. Christiane Funken (Berlin) beleuchtete in ihrem viel beachteten Beitrag die „Rushhour of Life“ und ihre Bedeutung für weibliche Karrieren in der Medizin. Eindrücklich zeigte sie auf, wie sich beruflicher Aufstieg, Familiengründung und persönliche Entwicklung bei Frauen häufig in einer einzigen Lebensphase verdichten – und welche Folgen dies für Karrierewege in der Ophthalmochirurgie haben kann. Besonders hob sie die oft unsichtbare Belastung durch den sogenannten Mental Load hervor: jene mentale Daueraufgabe des Planens, Organisierens und Mitdenkens im familiären Alltag, die noch immer überwiegend von Frauen getragen wird und nicht selten zur Karrierefalle wird.
Ein weiterer Höhepunkt des Programms war die interaktive Präsentation „Selbstwirksamkeit und Kommunikation in herausfordernden Situationen“ von Dr. Barbara Schulze Eilfing (Greven). Aus ihrer Position als Topsharerin gab sie eindrucksvolle Einblicke in ihren beruflichen Alltag und veranschaulichte die Bedeutung der Selbstwirksamkeit – jener inneren Überzeugung, die eigenen Handlungen wirksam gestalten zu können.
Im Anschluss an die Hauptvorträge boten moderierte Roundtable-Diskussionen den Teilnehmenden die Gelegenheit zu einem intensiven, anregenden Austausch über klinische Herausforderungen, persönliche Erfahrungen und zukunftsweisende Entwicklungen. Renommierte Expertinnen wie Priv.-Doz. Dr. Dr. Myriam Böhm (Frankfurt/Main), Dr. Anne Hunold (Aachen), Priv.-Doz. Dr. Silvia Bopp (Bremen) und viele weitere brachten unterschiedliche Perspektiven ein. Besonders die abschließende Podiumsdiskussion unter Moderation von Martin Speer und Prof. Dr. Viktoria Brücher (Münster) zur Frage „Wie schaffen wir Gendergerechtigkeit durch Partnerschaften und Netzwerke in den Machtstrukturen der Medizin?“ sorgte für lebhafte Beiträge – auch dank der bewussten Öffnung der Veranstaltung für männliche Kollegen, die das Netzwerk begleiten, unterstützen und fördern.
Neben dem hochkarätigen wissenschaftlichen Programm bot das Jahresevent zahlreiche Gelegenheiten zum professionellen Netzwerken. Das gemeinsame Abendessen am Freitagabend mit anschließender Party und Clubbing mit DJane MAYANIKO sowie das gemeinsame Frühstück und Mittagessen am Samstag schufen Räume für persönliche Begegnungen, fachübergreifende Gespräche und den Aufbau langfristiger kollegialer Verbindungen. Das Grußwort der designierten DOG-Präsidentin Prof. Dr. Anja Eckstein (Essen) unterstrich zudem die wachsende Bedeutung des Netzwerks innerhalb der deutschen Ophthalmologie.
Exklusiv für Mitglieder bot das begleitende Kursprogramm die Möglichkeit, praktische Fertigkeiten unter realitätsnahen Bedingungen zu trainieren. Am Eyesi-OP-Training und Funduskopie-Simulator – mit freundlicher Unterstützung der Firma Haag-Streit Deutschland – konnten Teilnehmerinnen ihre operativen Skills weiterentwickeln. Ergänzend dazu stand ein Implantationstraining von Iluvien (Fluocinolon) mit Unterstützung der Firma Alimera zur Verfügung. Diese Hands-on-Angebote wurden von den Teilnehmerinnen besonders geschätzt, da sie individuelles Üben in einem geschützten Rahmen ermöglichten.
Das große Engagement der Mitglieder, des Programmkomitees und der zahlreichen Referentinnen und Referenten machte deutlich, wie lebendig und zukunftsorientiert das Netzwerk „Die Augenchirurginnen e.V.“ inzwischen aufgestellt ist. Mit dem bewussten Brückenschlag zu männlichen Allies und der konsequenten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses setzt das Netzwerk wichtige Zeichen für eine moderne, partnerschaftliche und chancengerechte Ophthalmochirurgie. Im Anschluss an das offizielle Programm nutzten die Teilnehmerinnen die Gelegenheit, sich in der Wissenschafts-AG (Leitung: Prof. Dr. Viktoria Brücher und Prof. Dr. Anna-Karina Maier-Wenzel) sowie im Treffen der Mentorinnen mit der langjährigen professionellen Coach-Begleitung durch Valeska Foltin (Leitung: Priv.-Doz. Dr. Claudia Jandeck) weiter aktiv einzubringen.
Fachliches, gesellschaftspolitisches, soziales und netzwerkübergreifender Austausch verbanden sich in diesem Jahr zu einem beeindruckenden Ganzen. Das Resümee der Veranstaltung trägt damit die Handschrift jener Worte, die Prof. Jutta Allmendinger im Vorjahr prägte: „Es geht eben nur gemeinsam.“
Quelle: Die Augenchirurginnen e.V.


