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DOG: Schaden für medizinische Versorgung durch drittes Pflichttertial für Studierende?

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und die Vereinigung der Ophthalmologischen Lehrstuhlinhaber (VOL) lehnen es ab, das frei wählbare dritte Tertial für Medizinstudierende im Praktischen Jahr (PJ) durch einen allgemeinmedizinischen viermonatigen Pflichtabschnitt zu ersetzen. Der vor dem Bundesrat eingebrachte Antrag enge nicht nur die Berufswahl von jährlich rund 11.000 Studierenden der Humanmedizin ein, so DOG und VOL. Das Vorhaben gefährde auch die medizinische Versorgung von Patienten in Deutschland, da der ärztliche Nachwuchs bestimmte Fachgebiete kaum noch kennenlernen könnte. Der Zugang zur Vielfalt der Fächer müsse unbedingt gewahrt bleiben, fordert die DOG.

DOG und VOL schließen sich damit der Position verschiedener Organisationen an. Laut der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hatte der Gesundheitsausschuss des Bundesrates in der vergangenen Woche einen Änderungsantrag zur Novelle der Approbationsordnung angenommen, das Wahltertial in einen Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin umzuwandeln. „Vor der Umsetzung dieses Vorstoßes können wir nur warnen“, sagt Professor Dr. med. Klaus-Peter Steuhl, Präsident der DOG aus Essen. „Denn dieses geradezu unverantwortliche Vorgehen würde zu einer einseitigen Bevorzugung der Pflichttertiale führen, unter Inkaufnahme einer Vernachlässigung der übrigen Fachdisziplinen“, so der Direktor der Essener Universitäts-Augenklinik. „Die Folgen für die medizinische Versorgung in Deutschland – und ich spreche dabei nicht nur für die augenheilkundliche Versorgung – wären fatal“, befürchtet der Ophthalmologe.

Das Praktische Jahr steht am Ende des Medizinstudiums. Währenddessen vertiefen Studierende ihr theoretisches Wissen, indem sie Erfahrungen in der Arbeit am Patienten sammeln. Derzeit gliedert sich das PJ in drei Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen: Ein Tertial Innere Medizin, ein Tertial Chirurgie und wahlweise ein Tertial Allgemeinmedizin oder eines der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete. „Das Praktische Jahr soll den Studierenden lebendige und lehrreiche Eindrücke vermitteln und ihnen die Vielfalt der Medizin nahebringen“, sagt Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Vorsitzender der VOL aus Mainz. „Es soll ihnen aber vor allem eine Orientierungshilfe bieten und ihnen dabei helfen, sich für ein Fachgebiet zu entscheiden und eine passende Stelle zu finden“, erläutert der Direktor der Universitäts-Augenklinik in Mainz. Gegen die neue Regelung spricht auch eine aktuelle Umfrage: An Universitäten mit Lehrstühlen für Allgemeinmedizin ist das Fach unter Studenten nicht beliebter als an jenen Häusern, die diesen Lehrstuhl nicht vorhalten.

Die Studierenden müssen die Chance haben, alle Fächer gleichermaßen kennenzulernen: „Und umgekehrt ist das PJ auch die Chance für die Fächer, Nachwuchs zu gewinnen – das muss für die großen Disziplinen gelten ebenso wie für die kleineren“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt. Sollte sich durch das geplante Vorgehen die Situation in der Allgemeinmedizin tatsächlich entspannen, geschehe dies zu Lasten der anderen Fachrichtungen, so Ohrloff. Denn die Studenten kämen mit diesen kaum noch in Berührung. „Anstatt den ärztlichen Nachwuchs in seiner Wahlfreiheit zu beschneiden, sollten wir uns um die Attraktivität der Lehre bemühen und Studierenden eine hochwertige Ausbildung mit interessanten Perspektiven anbieten“, so Ohrloff. Eine quantitative Stärkung eines Faches allein löse das Problem nicht, verlautbaren DOG und VOL gemeinsam, sondern verlagerten es nur.

Quelle: DOG

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