Autor: Ulrike Lüdkte

Tag des weißen Stockes und Abschluss der Woche des Sehens

Anlässlich des „Internationalen Tags des weißen Stockes“ der Vereinten Nationen am 15. Oktober schlagen drei Selbsthilfeorganisationen Alarm: Nach ihren Schätzungen fehlen in Deutschland 400 Blinden- und Sehbehindertenlehrer. So müssen blinde Kinder von Lehrern unterrichtet werden, die keine Blindenschrift können, und sehbehinderte von solchen, die sich mit Sehschärfe, Gesichtsfeld und Blendempfindlichkeit kaum auskennen. Nur fünf Hochschulen vermitteln hierzulande das nötige Fachwissen, um Schülern mit Seheinschränkung alles beizubringen, was ihre sehenden Altersgenossen auch erfahren. Doch die wenigen Sonderpädagogen, die jedes Jahr ihren Abschluss machen, reichen bei weitem nicht aus, um die freien Stellen zu besetzen. Verschärft wird das Problem dadurch, dass sich Deutschland durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet hat, für die Inklusion behinderter Menschen auch in der Beschulung zu sorgen. Das bedeutet, dass in Zukunft noch mehr Blinden- und Sehbehindertenpädagogen gebraucht werden als heute. Darauf macht der Berufsverband der Augenärzte (BVA) zum Abschluss der Woche des Sehens aufmerksam.

Blindengerechten Audioguides gehört die Zukunft

Audioguides sind aus Museen nicht mehr wegzudenken: Bei vielen Ausstellungen nutzt mehr als die Hälfte der Besucher den „tragbaren Experten am Ohr“. Was liegt näher, als die beliebten Geräte mit geringem Aufwand so auszustatten, dass auch Besucher mit Seheinschränkung etwas davon haben? Auf einer zusätzlichen Tonspur können problemlos die nötigen Informationen vermittelt werden, die blinde und sehbehinderte Menschen benötigen – welche Frisur trägt die Frau auf dem Bild, welche Abmessungen hat das Kunstwerk? Auch Informationen zur Orientierung im Museumsgebäude sind eine wertvolle Unterstützung. Die Koordinierungsstelle Tourismus im Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) wird deshalb am 12. Oktober im Rahmen der Woche des Sehens auf einer Fachtagung in Mainz Empfehlungen zur barrierefreien Gestaltung von Audio- und Multimediaguides verabschieden.

Hilfswerke fordern mehr Augenärzte in Entwicklungsländern

Zum Welttag des Sehens (11. Oktober) weisen die Christoffel-Blindenmission (CBM) und das Deutsche Komitee zur Verhütung von Blindheit (DKVB) auf einen starken Mangel an Augenärzten und augenärztlichem Personal in Entwicklungsländern hin. Menschen, die von Blindheit bedroht sind, und sehbehinderte Menschen werden dort nicht ausreichend versorgt. So sei in Malawi zum Beispiel ein Augenarzt für 1,4 Millionen Menschen zuständig, während in Deutschland ein Augenarzt durchschnittlich nicht mehr als 20.000 potentielle Patienten hat. Darauf weist der Berufsverband der Augenärzte (BVA) hin. Die internationalen Hilfswerke sehen deshalb die Aus- und Weiterbildung einheimischer medizinischer Fachkräfte als wichtigen Bestandteil einer effizienten Entwicklungszusammenarbeit. Oftmals fehle es aber am Geld für die notwendige Ausbildung. Die Hilfswerke vergeben deshalb Stipendien und bauen Ausbildungszentren auf.

E-FAB: Neues Expertenforum verweist auf vermeidbare Blindheit in Europa

Am heutigen Welttag des Sehens 2012 zeigt eine Umfrage der E-FAB (European Forum Against Blindness; Europäisches Forum gegen Blindheit) unter mehr als 5.000 Menschen in fünf EU-Ländern, dass 53 % der Befragten sich eher darüber Sorgen machen, dass sie ihre Sehkraft verlieren könnten, als darüber, dass sie andere Krankheiten entwickeln könnten, wie etwa Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Atemwegserkrankungen. In der Umfrage zeigte sich, dass der Verlust des Sehvermögens gleich nach dem Gedächtnisverlust die primäre gesundheitliche Sorge der Menschen beim Älterwerden darstellt. darauf weist die E-FAB in einer Mitteilung hin.

EU unterstützt Tübinger Forschungsprojekt

Mit nahezu fünf Millionen Euro unterstützt die Europäische Union in den nächsten drei Jahren einen Zusammenschluss aus Firmen und Wissenschaftlern unter der Führung des Forschungsinstituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen. Ziel des Forschungsprojektes „Drugsford“ ist es, neue Wege für die Behandlung von erblichen Seherkrankungen zu finden, teilt die Universität Tübingen mit.

Aufklärungskampagne “Woche des Sehens” startet heute

Ab heute informieren bundesweit Selbsthilfegruppen, Augenärzte und -kliniken sowie internationale Hilfswerke über die Bedeutung von gutem Sehen, die Ursachen von Sehbehinderung und Blindheit sowie über die Möglichkeiten, das Augenlicht zu erhalten. „Wir sehen uns“ heißt es vom 8. bis 15. Oktober 2012 bei der elften Woche des Sehens.
Die Fernsehjournalistin Gundula Gause ist, wie bereits in den Vorjahren, Schirmherrin der Initiative.

Künstliche Hornhaut vor klinischer Erprobung

Eine Arbeitsgruppe vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam entwickelt in enger Zusammenarbeit mit dem Aachener Centrum für Technologietransfer ACTO e. V. künstliche Hornhäute. Wissenschaftliche Partner im Projekt „ARTCORNEA“ sind die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, das ACTO e. V. und die Augenklinik Köln-Merheim, an der in Kürze die klinische Erprobung beginnen soll. „Wir entwickeln zwei unterschiedliche künstliche Hornhäute, eine davon können wir als einfachen Transplantatersatz den Patienten einsetzen, die eine Spenderhornhaut gut vertragen, aber wegen des großen Mangels keine erhalten“, sagte Dr. Joachim Storsberg, Projektleiter am IAP.

DOG rät: Bei Neurodermitis, Allergie und Gürtelrose jährlich zum Augenarzt

Patienten, die unter bestimmten Hauterkrankungen leiden, müssen besonders auf ihre Augen achten. So sind Allergiepatienten besonders anfällig für das Trockene Auge, in schweren Fällen von Neurodermitis steigt die Gefahr für Bindehauttumoren. Eine Gürtelrose wiederum kann durch eine Entzündung im Augeninneren schaden. Betroffene sollten daher einmal jährlich den Augenarzt aufsuchen, um sich untersuchen zu lassen. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld des 110. DOG-Kongresses hin, der vom 20. bis 23. September in Berlin stattfindet.

DOG: Augenärzte fordern leitlinienorientierte Bonusverträge

Vor einer zunehmenden Ökonomisierung in der Augenheilkunde warnt der Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG), Professor Dr. med. Klaus-Peter Steuhl. „Stattdessen sollten wir uns noch stärker an den ethischen Aspekten unserer Aufgabe orientieren, zum Wohle des Patienten“, betont Steuhl. Ethik wird daher ein Schwerpunkt auf dem 110. DOG-Kongress sein, der vom 20. bis 23. September in Berlin stattfindet. Unter anderem widmet sich eine Podiumsdiskussion dem Thema „Augenheilkunde heute – im Spannungsfeld von Ethik und Ökonomie“. Klaus-Peter Steuhl plädiert für klare Regeln im Umgang mit Patienten, Kollegen und Industriepartnern sowie Bonusverträgen, die leitliniengerechtes Behandeln honorieren müssen.

Achiasmie: Neuorganisation des Gehirns gewährt Sehen

In einer umfangreichen internationalen Kooperation ist es Wissenschaftlern, unter anderem der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg, gelungen, zwei extrem seltene Fälle ohne Sehnervenkreuzung (Achiasmie), detailliert zu untersuchen. Wie die Universität mitteilt, haben die Arbeitsgruppe dabei eine alternative Organisation des menschlichen Sehsystems nachgewiesen, die Grundfunktionen des Sehens gewährleistet.