Augenklinik Tübingen veranstaltet Parlamentarischen Abend in Berlin

Am Donnerstag, den 3. April, 17 Uhr, lädt die Universitäts-Augenklinik Tübingen zu einem Informationsabend zu „Erblichen Netzhauterkrankungen – Herausforderungen und therapeutische Möglichkeiten“ in den Reichstagspräsidentenpalais der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, Friedrich-Ebert-Platz, Berlin, ein.

Der Parlamentarische Abend steht unter der Schirmherrschaft von Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsminister Annette Widman-Mauz, MdB. Gemeinsam mit Staatssekretär Thomas Rachel, MdB vom Bundesministerium für Bildung und Forschung werden sie diese Veranstaltung begleiten. Moderator der Veranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion ist der Wissenschaftsjournalist Günther Haaf (ZEIT, GEO).

Wie die Universitäts-Augenklinik Tübingen mitteilt, werden zahlreiche Gäste aus Wissenschaft und Politik, darunter der Tübinger Bundestagsabgeordnete Dr. Martin Rosemann, sowie der Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft Prof. Johann Roider aus Kiel, und betroffene Patienten und deren Vertreter die Möglichkeit nutzen, um sich über aktuelle Entwicklungen der Forschung, Diagnostik und Krankenversorgung zu informieren. Prof. Olaf Riess, Leiter des Tübinger Zentrums für Seltene Erkrankungen wird den Bogen von seltenen Netzhautdegenerationen zu Seltenen Erkrankungen im Allgemeinen schlagen und insbesondere den Nationalen Aktionsplan für Menschen mit Seltenen Erkrankungen beleuchten.

Waisenkinder der Medizin, so werden die seltenen Erkrankungen genannt, weil nur wenige Ärzte sie erkennen und behandeln können. Mehr als drei Jahre müssen Patienten mit einer seltenen Erkrankung durchschnittlich auf eine korrekte Diagnose warten. Ist sie gestellt, fehlt es oft an wirksamen Therapien, da diese Krankheiten kaum Ziel kommerzieller Forschung sind oder die vorhandenen Arzneimittel sind sehr teuer.

Rund 30.000 bis 40.000 Menschen leiden in Deutschland an einer seltenen Netzhauterkrankung. Veränderungen in ihrem Erbgut führen dazu, dass die Sehzellen der Netzhaut nach und nach absterben und Licht- und Farbreize nicht mehr korrekt weiterleiten. Die Seltenheit auf der einen Seite und die Vielfalt an möglichen genetischen Ursachen und Ausprägungen auf der anderen Seite fordert auch die Wissenschaft heraus. Die Forscher müssen eine geeignete Therapie finden, obwohl noch keine gesicherte Diagnose existiert, und hochmoderne Diagnosetechnologien entwickeln, obwohl noch nicht alle Ursachen bekannt sind.

Im Forschungsverbund HOFFNUNG, der von dem Tübinger Molekulargenetiker Prof. Bernd Wissinger geführt wird, fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung deshalb bereits seit 2009 innovative Ansätze, die die klinische und diagnostische Forschung zu erblichen Netzhauterkrankungen eng mit der Grundlagenforschung verzahnt, sodass Erkenntnisse aus den einzelnen Fachbereichen unmittelbar in die Forschungen der Partner einfließen können.

Die neuen Ansätze der bei dem Projekt beteiligten Forscher stimmen zuversichtlich. Hochmoderne Technologien, neue Erkenntnisse in der Humangenetik und die leichte Zugänglichkeit der Retina für chirurgische Eingriffe und Therapien helfen bei der Verbesserung der Diagnoseverfahren, der Früherkennung und der Entwicklung neuer biologischer Arzneimittel.

Insofern hat die Entwicklung und Anwendung solcher Therapieformen für erbliche Netzhauterkrankungen auch das Potenzial eines proof-of-concept für andere neurodegenerative Erkrankungen. Die beteiligten Wissenschaftler halten dieses ehrgeizige Ziel innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren für realisierbar.

Der Parlamentarische Abend in Berlin wird von der Stabsstelle Wissenschaftsmanagement am Forschungsinstitut für Augenheilkunde in Tübingen von Dr. Thomas Wheeler-Schilling und Dr. Michaela Bitzer initiiert und organisiert. Die Veranstaltung wird von einem Tübinger Kamerateam begleitet. Bereits am nächsten Tag wird der Film auf der Tagung der nationalen Patientenorganisation ProRetina in Potsdam Premiere feiern.

Mehr Informationen über den Forschungsverbund HOPE:

http://www.rd-hope.de/

Quelle:
Universitäts-Augenklinik Tübingen

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