ASiS-Aktion „Gutes Sehen in Schule und Schulsport“

Anlässlich der Woche des Sehens 2014 vom 8. bis 15. Oktober macht der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) darauf aufmerksam, dass Kinder, die eine Sehhilfe benötigen, auch beim Schulsport eine schulsporttaugliche Brille oder Kontaktlinsen benötigen, es sei denn, ein Augenarzt entbindet sie ausdrücklich davon. Das fordert auch der Expertenkreis „Sehen im Sport“ der Arbeitsgemeinschaft Sicherheit im Sport (ASiS),  teilt der BVA mit.

Beim Schulsport ist es schnell passiert: Ein Ball trifft versehentlich das Gesicht eines Mitspielers. Der trägt eine Brille, die prompt zerbricht. Solche Situationen bergen ein erhebliches Verletzungsrisiko, insbesondere auch für die Augen des betroffenen Kindes. Die Experten plädieren deshalb für eine bundesweit einheitliche Richtlinie und Vorgaben, an denen sich Lehrkräfte sowie die Hersteller von Kinderbrillen orientieren sollen. Für den BVA stellt Dr. Dieter Schnell, Mitglied des Expertenkreises, klar: „Gutes Sehen ist wesentlich für die sichere, erfolgreiche und freudvolle Teilnahme am Sportunterricht.“ Dr. Thomas Katlun, ebenfalls in der Arbeitsgruppe tätig, ergänzt: „Sportarten mit hohem Augenverletzungsrisiko erfordern über die Korrektur hinaus einen Augenschutz.“

Ein Viertel der Schüler nimmt trotz Fehlsichtigkeit ohne eine angemessene Sehhilfe am Schulsport teil, weitere 15 Prozent der Schüler zeigen Auffälligkeiten im visuellen Bereich, die eine weitere Beobachtung – etwa einen erneuten Sehtest nach einem halben oder ganzen Jahr – erfordern. Das ist ein Ergebnis der ASiS- Schulsportstudie (Projektleiter: Dr. Gernot Jendrusch, Lehrstuhl Sportmedizin, Ruhr-Universität Bochum), die mit mehr als 1200 Schulkindern in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde. Demnach tragen 20 Prozent aller Schüler im Alltag eine Sehhilfe, doch jeder zweite von ihnen verwendet keine Sehhilfe beim Schulsport.

Alltagsbrillen bergen Risiken

Die Brillen, die Kinder im Alltag tragen, bergen Risiken, wenn sie beim Sport getragen werden, betont der BVA. Beispielsweise können scharfe Kanten die Kinder verletzen. Mehr als die Hälfte der Lehrer erlaube aber die Verwendung solcher Alltagsbrillen beim Schulsport. Auch viele Eltern würden ihren Kindern ausdrücklich erlauben, die Alltagsbrillen im Sportunterricht zu tragen. Doch Versicherungen, beispielsweise die Unfallkasse Nord, verlangen: „Lehrkräfte müssen geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn sie auf Grund ihrer Erfahrungen oder sachdienlicher Hinweise Unfallgefahren minimieren können.“ Eine Schulsportbrille ist eine solche geeignete Maßnahme, als Alternative kommen Kontaktlinsen in Frage oder die Nichtteilnahme am Sportunterricht. Da der Schulsport – als verbindliches Schulfach – entscheidend zur körperlich-geistigen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen beitrage, sei Letzteres unverantwortlich, so der Verband der Augenärzte. Die schulsporttaugliche Brille sollte ganz selbstverständlich zur Sportausrüstung eines fehlsichtigen Kindes gehören, so wie die Trainingskleidung und die Sportschuhe, empfiehlt Dr. Jendrusch.

Was aber zeichnet eine für den Schulsport geeignete Brille aus? Eine bundesweit einheitliche Richtlinie fehlt zu diesem Thema. Die ASiS hat unter der Projektleitung von Dr. Gernot Jendrusch die Aktion „Gutes Sehen in Schule und Schulsport“ ins Leben gerufen, auch um Vorschläge für eine solche Richtlinie zu machen und um Hinweise zu geben, was eine schulsporttaugliche Brille ausmacht.

Anforderungskatalog erstellt.

Der ASiS-Anforderungskatalog – im Konsens zwischen Augenärzte- und Augenoptikerverbänden sowie der Wissenschaft erstellt – ist als Leitbild für die Hersteller von Kinder- und Sportbrillen gedacht. Unter anderem sieht er stabile, bruchsichere Kunststoffgläser und Fassungen vor, es darf keine scharfen Kanten geben. Die Fassung muss fest am Kopf sitzen, so dass die Brille nicht davonfliegt, wenn etwa ein Ball das Gesicht des Kindes treffen sollte. Die schulsporttaugliche Kinderbrille darf also zum Beispiel in Unfallsituationen kein zusätzliches Risiko für (Augen- und Gesichts-)Verletzungen darstellen.

Zweiter Schulsportbrillentest im Herbst 2014

Die Ruhr-Universität Bochum hat in Kooperation mit dem Institut für Augenoptik Aalen sowie Vertretern des Ressorts Sportophthalmologie des BVA sowie der augenoptischen Verbände 2013 einen ersten wissenschaftlichen Schulsportbrillentest durchgeführt: Dabei konnten sieben Brillenmodelle als „schulsporttauglich“ eingestuft werden. Im Herbst 2014 findet nun der zweite Schulsportbrillentest statt, sodass Ende des Jahres hoffentlich weitere schulsporttaugliche Brillenmodelle vorgestellt werden können und damit die Auswahlmöglichkeiten für Schüler und Eltern steigen.
Für Anfang 2015 ist eine Plakatkampagne der ASiS – auch in Kooperation mit dem BVA – zum Thema „Schon an die Sportbrille für Ihr Kind gedacht?“ in Vorbereitung.

Partner der Woche des Sehens

„Gute Aussichten“ – so heißt das Thema der diesjährigen Woche des Sehens unter der Schirmherrschaft der Fernsehjournalistin Gundula Gause. Blindheit zu verstehen und zu verhüten sind die Ziele der bundesweiten Kampagne. Getragen wird sie von der Christoffel-Blindenmission, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf sowie der PRO RETINA Deutschland. Seit 2002 informiert die Aktionswoche mit Hilfe vielfältiger Veranstaltungen über die Bedeutung guten Sehvermögens und klärt über die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation sehbehinderter und blinder Menschen in Deutschland und den Entwicklungsländern auf. Unterstützt wird sie dabei von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG. Weitere Informationen finden Sie auf http://www.facebook.com/WochedesSehens oder http://www.woche-des-sehens.de.

Quelle:
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA)
http://www.augeninfo.de

Ähnliche Beiträge