Kölner Symposium tagte im Maternushaus
Rund 120 Fachteilnehmende aus Augenheilkunde, Optometrie und Augenoptik kamen zum Kölner Adventssymposium, das am 6. Dezember im Maternushaus stattfand. Die CME-zertifizierte Fortbildung bot einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der refraktiven Chirurgie, der Premiumkataraktchirurgie sowie bei Makulaerkrankungen. Veranstalter war Dr. Georg Gerten, Gründer und ärztlicher Leiter des MVZ Perfektes Sehen.
Prof. Dr. rer. nat. Uwe Oberheide (Köln) eröffnete den Themenblock mit den physikalischen Grundlagen moderner Presbyopiekorrekturen. Er zeigte, dass eine Erweiterung der Tiefenschärfe ohne multifokale Konzepte, sondern durch die gezielte Nutzung sphärischer Aberrationen erreicht werden kann. Allerdings stets auf Kosten von Kontrast und maximaler Abbildungsqualität im Fokus.
Auf dieser Basis stellte Dr. Miriam Meddour (Hamburg) die Presbyond-LASIK als klinisch etabliertes Verfahren vor, das minimale Monovision mit einer kontrollierten Induktion sphärischer Aberration kombiniert. Das Ergebnis ist eine binokulare „blended vision“, die eine funktionelle Sehqualität in Ferne, Intermediär- und Nähe ermöglicht und zudem flexibel an individuelle Bedürfnisse angepasst werden kann.
Ergänzend ordnete Dr. Georg Gerten den refraktiven Linsenaustausch (RLE) als geeignete Option für ältere Presbyope, hohe Fehlsichtigkeiten oder den Wunsch nach einer langfristigen Lösung ein. Moderne Premium-IOLs vereinen zunehmend trifokale, diffraktive und EDOF-Designs und nutzen sphärische Aberrationen gezielt zur Tiefenschärfeerweiterung, was hohe binokulare Visusergebnisse bei gleichzeitig niedrigen Dysphotopsieraten ermöglicht.
Einen wissenschaftlich fundierten Einblick in die Bedeutung zwischenmenschlicher Faktoren gab Prof. Dr. rer. pol. Hendrik Wilhelm (Witten/Herdecke), der anhand empirischer Studien den Einfluss von Emotionen auf Teamleistung und Behandlungserfolg verdeutlichte. Der Abbau von Anspannung erwies sich dabei als zentral für operative Performance, während positive Führungskonstellationen nachhaltige Qualitätsverbesserungen begünstigen.
Im weiteren Verlauf der Session standen die Nachbehandlung komplexer Fälle sowie der praxisorientierte Einsatz von Premiumintraokularlinsen im Mittelpunkt. Dr. Tobias Neuhann (München) hob dabei die Relevanz eines konsequenten Tränenfilmmanagements und die exakte Umsetzung des Refraktionsziels hervor, insbesondere bei diffraktiven Multifokallinsen. Astigmatismus sollte bereits ab 0,75 bis 1,0 dpt gezielt korrigiert werden; bei Abweichungen bieten sich Bioptics oder Add-on-Linsen an, während Dezentrierungen gegebenenfalls chirurgisch rezentriert werden.
Prof. Gangolf Sauder (Stuttgart) zeigte, wie präoperative Visualisierungshilfen, wie zum Beispiel über das RALV-System, die Patientenedukation bei der Auswahl von Premiumlinsen optimieren können. Patienten können verschiedene Linsen virtuell ausprobieren, um die für ihren individuellen Alltag am besten geeignete Varianten zu identifizieren. Es muss beachtet werden, dass die Verträglichkeit und subjektive Wahrnehmung von Person zu Person variiert. Fallbeispiele illustrierten, dass die Kombination aus Simulation und ausführlicher Aufklärung postoperative Unzufriedenheit deutlich reduziert.
Ergänzt wurde die Session durch Diskussionen zu besonderen Herausforderungen bei Kataraktoperationen, insbesondere wenn gleichzeitig eine Makulagliose besteht. In solchen Fällen wird zunehmend eine sequenzielle Vorgehensweise der simultanen Operation vorgezogen, wie Prof. Matthias Fuest (Aachen) erläuterte. Konsens herrschte unter allen Referenten darüber, dass eine individuelle Beratung sowie die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Augenoptik, Optometrie und Ophthalmologie entscheidend sind, um Patienten bestmöglich zu begleiten – ein zentraler Aspekt für die augenoptische Praxis.
Zu Beginn des Makulablocks standen neue Einblicke in die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) im Fokus, mit besonderem Augenmerk auf die trockene Form, die etwa 85 Prozent aller Fälle ausmacht. Prof. Dr. rer. nat. Olaf Strauß (Berlin) verdeutlichte, dass erste Veränderungen oft Jahrzehnte vor der klinischen Manifestation beginnen und rückte dabei Inflammationsmechanismen wie nicht-kanonische Komplementaktivierung und T-Zellen in den Vordergrund. Diskutiert wurde zudem ein systemischer Ansatz: Serum-Saccharin-Spiegel könnten als Biomarker dienen, da höhere Werte bei CNV-Patienten unter IVOM-Therapie mit einem stabileren Verlauf verbunden sind, während niedrige Spiegel auf ein schlechteres Ansprechen hinweisen – ein Hinweis auf die Relevanz des gesamten Stoffwechsels für die AMD.
Prof. Michael Koss (München) berichtete über erste positive klinische Erfahrungen mit der Photobiomodulation (PBM) bei trockener AMD, insbesondere hinsichtlich des Visus und des Drusenvolumens. Zugleich wies er auf die begrenzte Evidenzlage hin, da lange Krankheitsverläufe und teilweise schwer zugängliche Originaldaten die Interpretation erschweren. Das Valeda-System wurde in diesem Zusammenhang kontrovers bewertet, wodurch die Bedeutung standardisierter und patientenindividueller Therapieansätze betont wurde.
Im zweiten Teil des Programmblocks stellte Dr. Alice Klein (Köln) die MACULIGHT-Studie vor, in der eine neuartige Heimanwendung zur Behandlung der trockenen AMD untersucht wird. Geplant ist die Einbeziehung von 120 Patientinnen und Patienten mit beidseitiger Erkrankung und klar definierten Einschlusskriterien, darunter ein Visus von mindestens 0,4 sowie das Fehlen einer Atrophie innerhalb der 1-mm-Zone um die Fovea. Im Studiendesign wird jeweils ein Auge therapiert, während das kontralaterale Auge als Kontrollauge dient. Besonderes Interesse galt dem Studiengerät selbst, der sogenannten MACULIGHT-Brille, mit der das Therapiekonzept anschaulich und praxisnah demonstriert wurde.
Anschließend nahm Prof. Salvatore Grisanti (Lübeck) eine kritische Einordnung der Photobiomodulation vor. Er beleuchtete dabei das Spannungsfeld zwischen medizinisch-ethischer Verantwortung, dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Evidenz und ökonomischen Fragestellungen. Zwar lägen erste positive klinische Erfahrungen vor, gleichzeitig sei die Therapie jedoch mit hohen Kosten verbunden und bislang nur eingeschränkt durch robuste Studiendaten abgesichert. Vor diesem Hintergrund hob er die Bedeutung weiterer placebokontrollierter Studien mit größeren Patientenkollektiven hervor und verwies auf die aktuell laufende multizentrische MACULIGHT-Studie.
Zum Abschluss erläuterte Dr. Ulrich Kellner (Siegburg) die derzeitigen Therapieoptionen bei neovaskulärer AMD. Im Rahmen der IVOM-Therapie sei weniger die Wahl des Medikaments entscheidend als vielmehr die Einhaltung konsequenter Injektionsintervalle. Ein stabiler Visuserhalt lasse sich nur durch regelmäßige Behandlungsrhythmen erreichen, wobei sich das Treat-and-Extend-Schema in der Praxis häufig als etwas günstiger bewährt als das Pro-re-nata-Vorgehen. Abschließend gab er einen Ausblick auf den möglichen zukünftigen Einsatz KI-gestützter Systeme zur Unterstützung der Therapie.
Ein besonderes Highlight waren die interaktiven Stationen, an denen die Teilnehmenden verschiedene Multifokal- und EDOF-Linsen selbst testen konnten. Die Möglichkeit, Unterschiede in der Abbildungsqualität unmittelbar zu erleben, wurde ebenso rege genutzt wie das Ausprobieren des MACULIGHT- Geräts.
Quelle: MVZ Perfektes Sehen Köln

