Augenimplantat als Medikamententräger eingesetzt
Am Universitätsklinikum Bonn (UKB) ist am 5. Oktober erstmals das neue Augenimplantat Contivue (Handelsname) in der regulären Patientenversorgung eingesetzt worden. Zeitgleich erfolgte auch am Kepler Universitätsklinikum Linz die erste Anwendung. Am UKB erhielten zwei Patienten mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD) das etwa reiskorngroße Implantat. Damit kommt das System am UKB deutschlandweit erstmals außerhalb einer klinischen Studie in der regulären Versorgung zum Einsatz.
„Für viele Patientinnen und Patienten sind die häufigen Behandlungstermine eine Belastung – insbesondere, wenn sie älter oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, sagt Prof. Frank G. Holz, Direktor der Augenklinik am UKB. „Das neue Implantat ermöglicht es, den Wirkstoff über längere Zeit kontinuierlich abzugeben und damit die Abstände zwischen den Behandlungen deutlich zu verlängern und auch Fluktuationen in der Wirkstoffkonzentration zu minimieren.“
Das Implantat wird in einem etwa 45-minütigen Eingriff in das Auge eingesetzt und gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich an das Auge ab. Etwa alle sechs bis neun Monate wird es ambulant nachgefüllt. Für die Behandlung kommen nach der europäischen Zulassung erwachsene Patient mit nAMD infrage, deren Erkrankung zuvor auf eine Behandlung mit einem VEGF-Hemmer angesprochen und stabilisiert wurde.
In der Zulassungsstudie ARCHWAY zeigte sich über zwei Jahre eine vergleichbare Entwicklung von Sehschärfe und zentraler Netzhautdicke wie bei monatlichen Ranibizumab-Injektionen. Längerfristige Daten zeigen, dass die Behandlung mit etwa zwei Auffüllungen pro Jahr über mehrere Jahre fortgeführt werden kann. Auch unter Versorgungsbedingungen verringerte sich die Zahl der Behandlungen: In der Studie BELVEDERE sank sie bei zuvor mit IVOM behandelten Patienten von durchschnittlich 9,2 auf 2,0 Behandlungen pro Jahr. Das UKB war bereits seit 2024 an klinischen Studien beteiligt, in denen Patientinnen und Petienten mit dem Implantat behandelt wurden. „Die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten waren sehr positiv“, berichtet Priv.-Doz. Dr. Kristina Pfau, Oberärztin und Leiterin des klinischen Studienzentrums der Augenklinik am UKB. „Umso erfreulicher ist es, dass wir diese Behandlung nun regulär anbieten können“.
Für das UKB ist das Implantat auch mit Blick auf mögliche zukünftige Anwendungen interessant. „Das Prinzip, einen Wirkstoff über ein Implantat kontinuierlich abzugeben, könnte perspektivisch auch für andere Medikamente untersucht werden“, sagt Holz. „Ob und für welche Erkrankungen sich das eignet, muss in weiteren Studien geprüft werden.“
Contivue ist ein dauerhaft im Auge verbleibendes, nachfüllbares Implantat. Es gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich in den Glaskörper ab. Susvimo (Handelsname; Ranibizumab 100 mg/ml) wurde im September 2026 von der Europäischen Kommission zur Anwendung mit Contivue bei bestimmten Erwachsenen mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration zugelassen.
Quelle: Universitätsklinikum Bonn

