Aufklärung und Apell zum Tag der Sehbehinderung

Anlässlich des Tages der Sehbehinderung am 6. Juni möchte die Selbsthilfevereinigung Pro Retina darüber aufklären, welche Auswirkungen eine Seheinschränkung auf das Leben von Betroffenen hat. Denn obwohl rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland mit einer Netzhauterkrankung leben, die zur Erblindung führen kann, sei das Wissen über das Leben von Menschen mit einer Seheinschränkung gering.

„Die Sehkraft zu verlieren, ist ein gravierender Einschnitt im Leben“, bringt es Dario Madani, Geschäftsführer von Pro Retina, auf den Punkt. Überall stoßen seheingeschränkte Menschen auf Hürden und Barrieren – ob bei öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Einkaufen oder im Beruf. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Menschen von der Teilhabe an wichtigen Lebensbereichen ausgeschlossen werden. Das nehmen wir nicht hin, sondern engagieren uns für umfassende Barrierefreiheit.“ Auch gegen den defizitorientierten Blick auf Menschen mit Einschränkungen wehrt sich die Selbsthilfevereinigung: „Allein der Begriff Sehbehinderung stigmatisiert die Betroffenen.“ 

Hinzu käme vielfach Unverständnis in Teilen der Bevölkerung: „Seheinschränkungen sind unsichtbar. Daher erkennen viele Menschen nicht, dass eine Person vielleicht Hilfe braucht und reagieren bisweilen mit Ungeduld oder Unverständnis“, erklärt Madani. Unangemessen sei aber auch ungefragte Hilfe, indem der Mensch mit Seheinschränkung einfach angefasst, gezogen oder geschoben wird. Madani empfiehlt, den Betroffenen anzusprechen und zu fragen, ob er Hilfe wünscht und wenn in welcher Form. Um das Verständnis zu fördern, setzt Pro Retina auf Aufklärung und Sensibilisierung: beim Schulprojekt, das schon Grundschulkindern nahebringt, wie Menschen mit Seheinschränkung die Umwelt wahrnehmen und erleben, beim Krankenhausprojekt, in dem Personal geschult wird, bei der politischen Partizipation, bei der es um die Gestaltung einer barrierefreien Gesellschaft geht, in der alle teilhaben können.

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Außerdem fordert die Selbsthilfevereinigung, Menschen mit Seheinschränkung von Anfang an in politische und administrative Prozesse und Entscheidungen einzubeziehen. Denn Barrieren entstünden häufig dort, wo über Betroffene gesprochen wird und nicht mit ihnen. Wie wichtig diese Forderung ist, zeigten die aktuellen politischen Entwicklungen. Die Selbsthilfevereinigung sehe mit Sorge, dass Teilhabe, Barrierefreiheit, Selbstbestimmung und wirksamer Diskriminierungsschutz immer wieder unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden. Geplante Änderungen am Behindertengleichstellungsgesetz, Ausnahmen für Unternehmen bei Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen, Kürzungsdebatten bei Unterstützungsleistungen wie der Eingliederungshilfe sowie eine nur punktuelle Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes kämen einem Rückbau des Sozialstaats gleich und beschnitten die Rechte, Möglichkeiten und Lebensrealität der Betroffenen. Damit gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft Realität werde, fordert die Selbsthilfevereinigung verbindliche Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen, starke individuelle Rechtsansprüche, wirksame Beschwerde- und Klagemöglichkeiten sowie einen Diskriminierungsschutz, der Betroffene tatsächlich schützt. Pro Retina appelliert anlässlich des Tags des Sehbehinderung an Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft: Inklusion dürfe nicht auf später verschoben werden. Menschenrechte, Menschenwürde und die UN-Behindertenrechtskonvention seien nicht verhandelbar.

Quelle: Pro Retina

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