Abschluss des deutsch-dänischen Forschungsprojekts HospiBot

Die vier Roboter. (© Starbord Visuals)

Wie moderne Robotik Pflegekräfte spürbar in nicht-medizinischen Aufgaben entlasten kann, haben die Beteiligten des Forschungsprojekts HospiBot in den vergangenen drei Jahren erfolgreich erforscht und erprobt. Der enge Austausch von Forschungsinstituten und Krankenhäusern war dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Unter Federführung des Sygehus Sønderjylland (SHS) wurden die Prototypen in vier Partnerkliniken in Deutschland und Dänemark im realen Alltagseinsatz auf Herz und Nieren geprüft und kontinuierlich optimiert.

Herzstück des Projekts ist ein modulares Robotersystem, das Forschende der Syddansk Universitet (SDU) und der Universität zu Lübeck entwickelt haben. Es besteht aus einer mobilen, autonom agierenden Basisplattform, deren drei Aufsatzmodule unterschiedliche Einsatzszenarien eröffnen: Der humanoide Roboter „HuGo“ kann Besucher im Krankenhaus empfangen, einfache Fragen beantworten, den Weg weisen und Besucher direkt an ihr Ziel begleiten. Bei seiner Entwicklung legte das Team besonderen Wert auf eine möglichst angenehme Mensch-Roboter-Interaktion. Getestet haben sie HuGo unter anderem seit Mitte 2024 in der Kinderklinik in Odense. Die Reaktionen von Patienten, Besuchern und Pflegepersonal flossen in die weitere Entwicklung von „HuGo“ ein, erklärt Projektleiter Oskar Palinko (SDU). Das Projektteam in Odense hat auch eine autonome Transportbox entwickelt. Der autorisierte Zugriff ermöglicht dem Krankenhauspersonal den sicheren On-Demand-Transport von kleineren Gütern und erspart weite Wege.

Der Sicherheits- und Telepräsenzroboter „Tele“ muss ganz andere Anforderungen erfüllen. Auf nächtlichen Patrouillen im Krankenhaus erkennt er hilfsbedürftige Personen und ermöglicht es ihnen, bei Bedarf Pflegepersonal per Video anzurufen. Die dabei eingesetzte Wärmebild- und Radarsensorik garantieren einen datenschutzkonformen Einsatz und funktionieren auch in absoluter Dunkelheit. Robert Wendlandt und sein Team vom Biomechaniklabor am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) Lübeck haben Tele entwickelt und im Sygehus Sønderjylland getestet.

Prof. Franziska Uhing von der HAW Kiel entwickelte mit dem sozialen Forschungsroboter „Furhat“ innovative Interaktionskonzepte. Im Rahmen einer Bedarfsanalyse am UKSH entstand das Konzept eines KI-gestützten robotischen Sprachtrainers. „Wir möchten Furhat für die Sprachförderung von internationalem Klinikpersonal einsetzen. Er schlüpft in die Rolle von Patientinnen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen. Die Pflegekräfte können mit seiner Hilfe Anamnesegespräche auf unterschiedlichem Sprachniveau führen“, erklärt Uhing. Erste Praxistests seien so vielversprechend verlaufen, dass Hochschule und Universitätsklinik die Idee weiterverfolgen wollen.

Die Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte Medizintechnik IMTE, hat sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen befasst. Neben europäischen Vorgaben zur Produkt- und Maschinensicherheit, Datenschutz und Cybersicherheit, technischen Normen sowie nationale Arbeitsschutzbestimmungen müssen krankenhausinterne Anforderungen an Hygiene, Brandschutz, Risikomanagement und Infrastruktur berücksichtigt werden. Besonders anspruchsvoll sei zudem die Abgrenzung, ob ein Roboter lediglich Serviceaufgaben übernimmt oder aufgrund seines medizinischen Verwendungszwecks unter die Medizinprodukteverordnung fäll, erläutert Dr. Lina Behrends. Prof. Arndt-Peter Schulz ergänzt: „Entscheidend ist, dass Patientensicherheit, Hygiene, Datenschutz und die betrieblichen Abläufe gemeinsam betrachtet und die zuständigen Fachbereiche von Beginn an eingebunden werden.“

Im Rahmen des Projekts hat das Fraunhofer IMTE einen praxisorientierten regulatorischen Handlungspfad entwickelt. Er bietet Krankenhäusern in Deutschland und Dänemark eine strukturierte Orientierung, um Anforderungen systematisch zu prüfen, Verantwortlichkeiten früh zu klären und die Einführung von Servicerobotern rechtssicher vorzubereiten.

Am 30. August endete das mit rund 1,68 Millionen Euro von der EU-Initiative Interreg Deutschland-Danmark geförderte Projekt offiziell. Die im Rahmen des Projekts entstandenen Roboter befinden sich an den Hochschulen, an denen sie entwickelt wurden. Projektpartner: Syddansk Universitet (SDU), Universität zu Lübeck (UzL), HAW Kiel (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel), Fraunhofer IMTE, Sygehus Sønderjylland (SHS), AllGoodSpeakers, Sjællands Universitetshospital (SUH), Odense Universitetshospital (OUH), Centre for Clinical Robotics (CCR), Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH)

Quelle: Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel

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