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Tagungsberichte

02/2007:

Zur Tagung der AAD 2007 in Düsseldorf

Apparative Diagnostik in der Augenheilkunde
Vom 13. bis 17. Februar 2007 tagt in Düsseldorf die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) als gemeinsame Veranstaltung von BVA und DOG mit dem diesjährigen Hauptthema „Apparative Diagnostik in der Augenheilkunde“. DER AUGENSPIEGEL sprach mit dem 1. Vorsitzenden des BVA, Dr. Uwe Kraffel.

Bild DER AUGENSPIEGEL:
Die AAD ist die gemeinsame Veranstaltung des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Das diesjährige Tagungsthema „Die apparative Diagnostik in der Augenheilkunde“ erweckt den Eindruck, sich offensichtlich an die Kliniksärzte zu wenden, also an die Gruppe, die sich bevorzugt mit der teuren apparativen Medizin beschäftigt. Wie ist diese Schwerpunktsverlagerung einzuordnen?

Dr. Uwe Kraffel:
Das kann man so nicht sehen. Die apparative Diagnostik ist gerade für den Niedergelassenen von größerer Bedeutung als für den Kliniker, denn es ist heute eine Verschiebung der Tätigkeitsbereiche erfolgt. Viele Untersuchungen, für die man früher den Patienten in die Klinik schicken musste, können heute in den Praxen durchgeführt werden. Bei der Fluoreszenzangiographie zum Beispiel hat man früher finanziell eindeutig zugelegt. Das hat sich aber durch den IGeL geändert. Hinzu kommt, dass gerade bei der Makuladegeneration man mit den Optischen Kohärenztomographen heute mehr sieht als mit der herkömmlichen Fluoreszenzangiographien. Und deshalb meine ich, dass mit unserem Themenkreis mehr Teilnehmer des Kongresses angesprochen werden als etwa mit irgendwelchen Themen, die sich mit Operationstechniken befassen.

DER AUGENSPIEGEL:
Die Geräte sind sehr kostenaufwändig. Rentiert sich deren Anschaffung für einen Niedergelassenen?

Dr. Uwe Kraffel:
Für die kostenintensiven Geräte braucht man sicherlich eine große Praxis. Es gibt einige Kollegen, die sich diese teuren Geräte angeschafft haben. Sie erklären, dass sie kostendeckend arbeiten. Oft sind diese Geräte aber nur zu verkraften, wenn man sie sich – und damit auch die hohen Anschaffungskosten – mit anderen Kollegen teilt.

DER AUGENSPIEGEL:
Hat nun der allein arbeitende Augenarzt mit einer kleinen oder mittleren Praxis in der Zukunft eine Chance, bestehen zu können?

Dr. Uwe Kraffel:
Meines Erachtens ja.

DER AUGENSPIEGEL:
Er wird aber kräftig “ IGeLn“ müssen?

Dr. Uwe Kraffel:
Nicht unbedingt. Wenn man sich die Ertragslagen von Praxen abhängig von ihrer Größe ansieht, dann wird deutlich, dass größere Praxen nicht unbedingt kostengünstiger arbeiten als kleine Praxen. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel eine größer werdende Praxis anfängt, Nebenkosten zu erzeugen, die eine klein gebliebene Praxis nicht aufweist. Ab einer gewissen Größe braucht man zum Beispiel einen zusätzlichen Mitarbeiter, der nur für das Personal zuständig ist. Das macht in einer kleinen Praxis der Doktor automatisch mit und dieses Thema ist somit kein Kostenfaktor.
Man muss bei einer großen Praxis sehr genau hinschauen, ab welcher Größe sie lukrativ wird oder bleibt wie eine kleine Praxis. Eine kleine Praxis ist zudem, was wirtschaftliche Schwankungen angeht, viel gesünder und somit auch belastbarer. Beim Kauf eines großen Gerätes allerdings treten für kleine Praxen Probleme auf. Wenn sie eine große Praxis mit zehn Kollegen haben, dann ist der Kauf eines teuren großen Gerätes eine nicht so große Entscheidung, weil dann auch durch Zehn geteilt wird. So muss man bei einer kleinen Praxis zunächst einmal durchrechnen, ob genügend Patienten dafür vorhanden sind. Man wird sich in irgendeiner Weise mit anderen Kollegen zusammen tun. Es muss ja nicht gleich ein ADC (Augen Diagnostik Zentrum) sein, könnte aber.

DER AUGENSPIEGEL:
In der letzten Zeit wurden immer wieder Überlegungen angestellt, den Augenfacharzt aufzuteilen. Das heißt alle machen den „konservativen“ und wer will, nach entsprechender Weiterbildungszeit, den „operativen“ Arzt für Augenheilkunde.

Dr. Uwe Kraffel:
Ganz im Gegenteil. Das ist wieder draußen. Das war etwas, was ganz stark aus den Kliniken herangetragen wurde. Dort steckte man in einem Dilemma. Man muss heute bei den Operationen eine sehr hohe Qualität abliefern. Wehe, es hat ein Patient bei der Entlassung eine entrundete Pupille oder noch ein Flöckchen Fibrin in der Vorderkammer. Auf der anderen Seite soll man den Assistenten operieren lassen und da hat man zwangsläufig immer wieder einen, der seine erste Katarakt macht. Und die sieht dann nicht so schön aus. Wie soll man als Chef dieses Problem lösen? Muss man denn wirklich jedem, der vielleicht später konservativ tätig sein wird, das Operieren beibringen? Ein niedergelassener Operateur kann es sich nicht leisten, Katarakte von einem Anfänger operieren zu lassen und er hat daher Probleme, einen Operateur auszubilden. Hinzukommt, dass diejenigen, die operieren können, nur ein oder zwei Sachen können, und wenn, dann nur mit hohem technischem Aufwand. Aber die Diskussion ist jetzt abgeschlossen.

DER AUGENSPIEGEL:
Apropos Diskussion: Die Interessenvertretung der Niedergelassenen hat jüngst eine Mitgliederumfrage gestartet, ob sie noch erwünscht ist. 70 Prozent der Befragten haben für ein Weiterbestehen der KV votieren. Ist die Diskussion damit abgeschlossen?

Dr. Uwe Kraffel:
Ich denke, dass die KV bestehen bleiben wird. Mit ihr erreicht man am besten eine Steuerung der ambulanten Medizin. Daran ist ja die Politik stark interessiert. Für die Kollegen bedeutet die KV auch sehr viel Erleichterung, sehr viel Klarheit und Einfachheit. Die Ergebnisse der erwähnten Umfrage sind im Januar im Einzelnen veröffentlich worden. Bei Einzelverträgen hätte man mit irgendeiner Kasse einen Vertrag, mit einer anderen Kasse hingegen nicht. Dann steht ein Patient vor der Tür, mit dessen Kasse man keinen Vertrag hat. Und schon beginnt das Dilemma. Denken sie nur an den Notdienst oder die Wochenendvertretungen.

DER AUGENSPIEGEL:
Zurück zur AAD. Die Teilnehmerzahlen werden immer größer. Könnte man die AAD an einen anderen Platz in Düsseldorf oder gar nach Berlin legen?

Dr. Uwe Kraffel:
Wir werden das im Jahre 2010 tun. Im Rahmen des Weltkongresses in Berlin wird die AAD sozusagen im Vorprogramm laufen: Erst zwei Tage tagt ausschließlich die AAD, dann wird an zwei Tage parallel AAD und Weltkongress stattfinden, also als ein gemischtes Programm, und dann abschließlich ein reiner Weltkongress.


DER AUGENSPIEGEL:
280 Seiten Programm zur AAD! Könnte man das nicht etwas kürzen?

Dr. Uwe Kraffel:
Wir haben schon immer den Wunsch, das Programm etwas zu verkleinern. Aber das ist schwer. Denn wir wollen einen bunten Cocktail bieten, in dem für jeden etwas von Interesse ist. Für die Operateure, für die Helferinnen und für den Niedergelassenen, der sich für das Operieren nur am Rande interessiert, für Assistenten und natürlich für die Kliniker. Wir haben Kurse, die jedes Jahr überdurchschnittlich besucht werden und für die immer ein Bedarf besteht. Wir haben hier wirklich Probleme, das Programm möglichst klein zu halten.
Auf der anderen Seite wollen wir vermeiden, dass jedes Jahr dasselbe stattfindet. Es ist aber auch schwer, einen Kurs abzusagen. Dann sind die Referenten sauer, aber auch die potentiellen Zuhörer, die im Vorjahr den Kurs nicht buchen konnten und ihn nun ein Jahr später besuchen wollen. Wir sind öfter so vorgegangen, bestimmte Kurse nur jedes zweite Jahr zu bringen. Das hat auch zu Protesten geführt.

DER AUGENSPIEGEL:
Kurse über Gründung und Aufgabe einer Praxis dauern einen ganzen Tag. Braucht man dafür so viel Zeit?

Dr. Uwe Kraffel:
Dieser Kurs ging früher über Freitag und Samstag. Das ist ein Kurs, der für die Kollegen gedacht ist, die eine Praxis übernehmen wollen. Es geht um alle relevanten Einzelthemen, wie: Wie versichere ich was, wie lange und wie hoch? Wie erfolgt die Finanzierung und wie läuft dieses Verfahren ab und alles andere, was in diesen Rahmen gehört. Das ist ein sehr großer Kurs, der im Übrigen schon seit über 20 Jahren im Programm ist. Es ist also ein Kurs, der sich an die wendet, die in naher Zukunft den Sprung ins Wasser wagen und dieser Kurs ist nach wie vor ein Selbstläufer. Es wird zwar immer viel an der Form gekämpft. Was bringt man, was bringt man nicht? Kann man dieses oder jenes Thema kürzen oder gar ganz weglassen? Allein der Kursteil, der sich mit der Frage beschäftigt, mache ich eine Gemeinschaftspraxis und wenn ja, wie, geht über Stunden. Früher hat man einfach Ophthalmologie gemacht. Das hat schon irgendwie gepasst, aber heute muss man auch die berufspolitischen Fragen behandeln.

DER AUGENSPIEGEL:
Warum legte man dieses Jahr die AAD genau in die Karnevalszeit? Hatte das einen organisatorischen Grund oder wollte man eine zusätzliche Attraktivität im Hintergrund halten?

Dr. Uwe Kraffel:
Das hatte etwas mit Verfügbarkeit von Kongressräumlichkeiten und Hotelbetten zu tun. Wir haben den Termin nicht mit Absicht in die Karnevalszeit gelegt.

DER AUGENSPIEGEL:
Herr Dr. Kraffel, wir bedanken uns für das Gespräch.