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Tagungsberichte

11/2006:

Zum XXIV. Kongress der European Society for Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS)

Internationale Tagung der Ophthalmochirurgen in London
Vom 9. bis zum 13. September öffnete das Excel Exhibition and Conference Centre in London seine Tore für mehr als 5.000 Ophthalmochirurgen aus aller Welt. Der XXIV. Kongress der European Society for Cataract and Refractive Surgeons bot eine Reihe von interessanten Symposien, Kursen und Wetlabs, unterstützt von einer der größten ophthalmologischen Industrieausstellungen Europas mit annähernd 200 teilnehmenden internationalen Firmen. Die Hauptstadt Großbritanniens, sowohl für ihre historischen Traditionen als auch für Zukunftsorientierung bekannt, zeigte sich während des Kongresses nahezu durchweg sommerlich. Ein zusammenfassender Bericht von Matthias Müller.

In seiner Eröffnungsrede begrüßte der Präsident der ESCRS Prof. Ioannis Pallikaris (Kreta) die Teilnehmer und wies speziell auf die bedeutende Rolle der britischen Ophthalmologen für die Entwicklung der ESCRS hin. Er stellte ein neues von der ESCRS unterstütztes Ausbildungsprogramm vor, das jungen Ophthalmologen eine kontinuierliche medizinisch hochwertige Ausbildung ermöglichen soll. Das Projekt startet zunächst in ausgewählten Zentren Europas und soll sich dann bis in die Entwicklungsländer fortpflanzen. Weiterführende Informationen zu diesem Ausbildungsprogramm werden in nächster Zeit auf der Homepage der ESCRS (http://www.escrs.org) und in Euro Times verfügbar sein.

Poster- und Videopreise

Die Eröffnungszeremonie endete mit der Verleihung der Preise im Poster- und Videowettstreit. Als Preisträger seien hier stellvertretend die Gewinner in der Kategorie Katarakt-Poster und Innovations-Video genannt:

Katarakt-Poster: Die Arbeitsgruppe um M. Hlonzanek (Tschechien) kam in einer prospektiven klinischen Studie zu dem Ergebnis, dass die zentrale Hornhautdicke von Kindern mit Mikrophthalmus, die einer kongenitalen Kataraktoperation unterzogen wurden, (19 Patienten, 30 Augen) signifikant höhere Werte auf-wiesen als die in einer Vergleichsgruppe von 102 gesunden Schulkindern gemessenen. Dies hat speziell für die postoperative Beurteilung des Augeninnendrucks eine große Bedeutung.

Der Video-Preisträger M. Kishimoto (Japan) präsentierte in seinem Beitrag „The Surge“ eine Methode zur Vermeidung der Augeninnendruckerhöhung während der Phakoemulsifikation durch die Verwendung eines luftgefüllten Silikonschlauchs, der direkt mit dem Phako-Handstück verbunden ist. Da Luft im Gegensatz zu Flüssigkeit komprimiert werden kann, fungiert der Schlauch wie ein Luftkissen und kann „Wasserwellen“ während der Phakoemulsifikation abfangen.

Ehrung von Sir Harold Ridley

Zu Ehren des vor 100 Jahren geborenen und 2001 verstorbenen Erfinders der Intraokularlinse, Sir Harold Ridley, stellte David Apple, MD (Utah) sein Buch „Sir Harold Ridley and his Fight for Sight“ vor. Im Jahre 1940 während des Zweiten Weltkrieges erblindete ein britischer Kampfpilot durch Cockpitfragmente aus Plastik, die nach Beschuss in sein Auge eindrangen. Dieser Fall und weitere vergleichbare Fälle ließen Ridley erkennen, dass menschliche Augen Plexiglas weitestgehend ohne Entzündungsreaktionen tolerieren. Letztendlich führten diese tragischen Ereignisse dazu, dass Ridley die ersten künstlichen Linsenimplantate entwickelte und erprobte, die schließlich Ursprung für die heutigen qualitativ hochwertigen Intraokularlinsen sind. Für seine Leistungen wurde Harold Ridley im Februar 2000 von der Queen zum Ritter geschlagen.

Hauptsymposien

In den Hauptsymposien wurden dieses Jahr Vorträge zu Begleit-erkrankungen der Katarakt- und Refraktivchirurgie, zu Endophthalmitis, zu optischen Voraussetzungen für ein optimales Sehen und der richtigen Beurteilung von Ergebnissen nach Refraktiver Chirurgie gehalten.

Endophthalmitis Studie

Peter Barry, FRCS (Irland) präsentierte die Ergebnisse der von der ESCRS durchgeführten Endophthalmitis Studie. Er bezeichnete diese Studie, welche gleichzeitig die größte klinische Untersuchung zu Antibiotika in der medizinischen Geschichte gewesen ist, als Meilenstein in der Geschichte der ESCRS. Durch die Injektion von Cefuroxime in die Vorderkammer nach Kataraktoperation konnte eine fünffache Reduktion des postoperativen Auftretens von Endophthalmitis gezeigt werden. Die Ergebnisse wurden in der JCRS-Ausgabe 3/2006 publiziert. Als Chairman dieser ESCRS-Studie erhielt Dr. P. Barry im Anschluss an seinen Vortrag die Ridley-Medaille.

Live Surgeries

Die Katarakt Live Surgeries wurden im King Edward VII Hospital in Windsor und die refraktiven Operationen im St. Ann´s Hospital Tottenham durchgeführt und via Satellit ins Excel Centre übertragen. Die Live-OPs erfreuten sich wieder einmal großer Beliebtheit im Auditorium. Vor jeder OP wurde vor Ort eine kurze Einführung über die jeweils verwendeten Techniken gegeben. Nach den Operationen standen die aktiven Ophthalmochirurgen den Zusehern Rede und Antwort.

Fazit

Der XXIV. Kongress der ESCRS gehörte mit insgesamt 750 Vorträgen, 650 elektronischen Postern, 42 operativen Trainingskursen und 103 Einführungskursen zu den weltweit größten ophthalmologischen Kongressen.

Die XXV. Tagung der ESCRS findet vom 8. bis 12. September 2007 in Stockholm statt.