HOME | Der Augenspiegel | Zeitschrift für Klinik und Praxis

Home
 

Kurznachrichten

12/2021:

Stiftung Auge: bei Legasthenie-Verdacht Augenarzt zu Rate ziehen

Rund fünf Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an einer Lese- und/oder Rechtschreib-Schwäche (LRS), auch Legasthenie genannt. Betroffenen fällt es schwer, gesprochene Sprache in geschriebene Sprache umzuwandeln. Bei Kindern fällt die LRS meist im Laufe des ersten Schuljahres auf, oft geht sie mit Konzentrationsstörungen einher. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eine der möglichen und nicht seltenen, aber oft unterschätzten Ursachen sind Sehstörungen. Um Klarheit über die Hintergründe der LRS zu bekommen und mit entsprechenden Maßnahmen wirksam gegensteuern zu können, kommt es auf eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Augenärzten und Kinder- und Jugendmedizinern bei der Diagnosestellung an. Darauf weisen Experten der Stiftung Auge hin.

Schulkinder mit einer Lese- und/oder Rechtsschreib-Schwäche zeigen verschiedene Auffälligkeiten beim Lesen und/oder Schreiben. Beispielsweise lesen sie meist sehr langsam oder haben Startschwierigkeiten beim Vorlesen. Auch kommt es vor, dass sie Wörter auslassen, andere hinzufügen oder vertauschen und dabei die Textzeile verlieren. Bei der Rechtschreibung haben sie Schwierigkeiten beim Schreiben von Buchstaben und Wörtern, machen viele Fehler bei ungeübten Diktaten, beim Abschreiben von Texten sowie bei der Grammatik und Zeichensetzung. Auch eine kaum leserliche Handschrift tritt in diesem Zusammenhang häufig auf.

Als Ursachen für eine LRS stehen sowohl eine – genetisch bedingte –veränderte Verarbeitung von Bildern und Tönen im Gehirn in der Diskussion; aber auch Sehprobleme, die den Kindern und Jugendlichen das Lesen und Schreiben erschweren. „Zur Diagnosestellung einer Legasthenie gehört daher immer auch eine augenärztliche Untersuchung, um eine Sehschwäche als Ursache der Lese- oder Rechtschreibproblematik auszuschließen“, betont Professor Dr. med. Gerd Geerling, Mediensprecher der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Düsseldorf. Zum augenärztlichen Untersuchungsprogramm zählt in solchen Fällen eine umfangreiche Diagnostik zur Funktionsfähigkeit der Augen hinsichtlich verschiedener Fehlsichtigkeiten; so kontrolliert der Augenarzt unter anderem, ob eine Weit-, Kurz- oder Stabsichtigkeit, eine sogenannte Hornhautverkrümmung, vorliegt. Auch die Augenstellung, die Augenbeweglichkeit und eventuelle Brechungsfehler werden dabei untersucht.

Der Ausgleich von vorhandenen Fehlsichtigkeiten bildet den Grundbaustein bei einem Verdacht auf LRS. Oftmals können die betroffenen Kinder mit entsprechenden Sehhilfen dann wieder deutlich besser Lesen und Schreiben“, erklärt Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Holz betont dabei, dass auch bei diagnostizierten Augenproblemen entsprechend angepasste Sehhilfen oftmals nicht die alleinige Problemlösung liefern können. Vielmehr gehe es um ein maßgeschneidertes Behandlungsprogramm für die betroffenen Schüler, bei dem Augen-, Kinder- und Jugendärzte und auch entsprechend ausgebildete Psychiater und Psychologen mit im Boot sind. Mit speziell abgestimmten Trainings, die die einzelnen Symptome der LRS aufgreifen, kann es so gelingen, die Lese- und Schreibfähigkeit der betroffenen Kinder deutlich zu verbessern.

Quellen:
Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.: Legasthenie. Ratgeber zum Thema Legasthenie – Erkennen und Verstehen (2018): https://www.bvl-legasthenie.de/images/static/pdfs/bvl/1_BVL_Ratgeber-Legasthenie_2018.pdf
Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V: Informationen für Sie: Legasthenie [Lese-Rechtschreibstörung] (2013): https://www.stiftung-auge.de/wp-content/uploads/2018/02/lega.pdf