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Kurznachrichten

12/2010:

Pro Retina-Stiftung: Stiftungsprofessur für Netzhautforschung etabliert

Die Pro Retina-Stiftung zur Verhütung von Blindheit hat am heutigen 1. Dezember am Institut für Humangenetik der Universität Regensburg eine Stiftungsprofessur mit dem Schwerpunkt Netzhautforschung etabliert. Inhaber dieser Professur wird Prof. Dr. Thomas Langmann sein. „Unsere Stiftung ist ein Instrument zur Forschungsförderung der Selbsthilfevereinigung Pro Retina Deutschland e. V.“, erklärt die 1. Vorsitzende Helma Gussek, Bonn. „Mit der Etablierung dieser Stiftungsprofessur übernehmen wir eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Forschungsförderung durch Patientenorganisationen.“

Die Arbeitsgruppe von Prof. Langmann beschäftigt sich besonders mit den genetischen und immunologischen Ursachen von erblichen und altersbedingten Netzhauterkrankungen. Im Rahmen seiner Forschungsarbeiten konnte das Team nachweisen, dass das Immunsystem beim Absterben von Sehzellen dauerhaft aktiviert ist und Fresszellen überaktiv sind. „Diese Reaktion setzt schon ein, bevor die Photorezeptoren nachweisbar absterben“, so Langmann. Ziel der Wissenschaftler ist eine auf immunologischen Strategien basierende Netzhauttherapie zur Erhaltung der Sehkraft. Sie denken dabei in drei Richtungen: Zum einen an den Einsatz von so genannten Immunsuppresiva, Medikamente, welche die Aktivität des Immunsystems unterdrücken. „Diese könnten beispielsweise direkt ins Auge gespritzt werden“, erläutert Langmann. Zweitens arbeiten die Forscher an Substanzen, die Entzündungen hemmen und die Degeneration von Nervenzellen verhindern können. Dazu gehören laut Langmann etwa die Omega-3-Fettsäuren. Ebenso verfolgen die Regensburger Forscher die Spur immundämpfender Substanzen, welche von bestimmten Zellen im Nervensystem, den sogenannten Mikrogliazellen, gebildet werden, um eine Immunreaktion wieder zu stoppen.

Das Institut für Humangenetik (Direktor Prof. Dr. Bernhard Weber) ist nach Angaben der Pro Retina eine international anerkannte Einrichtung zur Erforschung genetischer und zellbiologischer Grundlagen erblicher Netzhauterkrankungen. Das Institut sei ebenso federführend und bundesweites Referenzzentrum für die humangenetische Diagnostik dieser seltenen Erbkrankheiten: In Deutschland wird eines von 4.000 Kindern mit einer solchen Erkrankung geboren. Am häufigsten ist die sogenannte Retinitis Pigmentosa – an ihr leiden hierzulande 30.000 Patientinnen und Patienten. Nach einem bundesweiten Bewerbungsverfahren hat die Pro Retina-Stiftung entschieden, an diesem Institut ab Dezember 2010 eine W2-Stiftungsprofessur mit dem Schwerpunkt Netzhautforschung zu etablieren. „Unsere Stiftung wurde bei der Realisierung dieses Meilensteins von der Ernst- und Berta-Grimmke-Stiftung sowie der Eva Luise und Horst Köhler Stiftung unterstützt“, betont Franz Badura, Vorstandsmitglied der Pro Retina-Stiftung. Geplant sei auch noch eine weitere Stiftungsprofessur an einer anderen Universität.