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Aus der aktuellen Ausgabe

03/2016:

Okuläre Manifestationen neu ­auftretender Infektionskrankheiten

Globalisierung, Migration und Klimawandel sind Themen, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen sorgten. Inwieweit sich diese Faktoren auch im medizinischen Bereich auswirken, wird erst allmählich erkennbar. In Deutschland neu auftretende Krankheitsbilder sowie das Vordringen bisher wenig bekannter Erreger sind dabei Aspekte, die auch in der Augenheilkunde an Bedeutung gewinnen. Prof. Uwe Pleyer, FEBO, (Berlin) stellt die systemischen sowie jeweils okulären Manifestationen von Infektionskrankheiten dar, die durch ihre zunehmende Prävalenz für den Augenarzt relevant werden können.

Infektiöse Ursachen müssen bei allen Patienten mit Uveitis in Betracht gezogen werden. Im Vordergrund stehen Viren der Herpes-Familie sowie ein breites Spektrum an Bakterien, die für Syphilis, Borreliose, Tuberkulose und Bartonellose auslösend sind, sowie Parasiten, die zur okulären Toxoplasmose und Toxocarasis führen können. Zunehmend müssen aber auch neue Erreger für so genannte emerging infections diseases (EID) als mögliche Ursachen systemischer und (begleitender) intraoku­lärer Entzündung berücksichtigt werden. Diese Infektionen lassen sich in Krankheiten unterscheiden, die sich primär außerhalb von Deutschland etab­liert haben oder aber zunehmend und infolge der Globalisierung auch für die Bevölkerung hierzulande zu einem Risiko werden („globale“ EID). Zurückgeführt wird die Zunahme neuer Infektionskrankheiten unter anderem auf die weltweiten Handelsbeziehungen, die zahlreichen Fernreisen und die wachs­ende internationale berufliche Mobilität.

Zum anderen handelt es sich um Krankheiten, die in Deutschland endemisch sind beziehungsweise werden und zusehends häufiger auftreten („endemische“ EID). Gefahr kommt hierbei durch Infektionen, an deren Übertragung Insekten, Nagetiere oder Vögel beteiligt sind. Die Populationsstärke dieser Vektoren und ihr Übertragungspotenzial werden in besonderem Maße von Klimafaktoren beeinflusst, wobei die gegenwärtigen klimatischen Veränderungen eine Verbreitung von Infektionserregern und Krankheitsüberträgern begünstigen. Ein Beispiel hierfür sind Mückenpopulationen, die aus tropischen Regionen inzwischen auch nach Europa eingeschleppt wurden.

Mehr dazu im AUGENSPIEGEL März 2016.