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Aus der aktuellen Ausgabe - Tagungsberichte

07-08/2009:

Makula-Update in Köln

Verleihung der Junius-Kuhnt-Medaille an Prof. Dr. Reginald Birngruber
Trotz verlängertem Pfingstwochenende und frühsommerlichen Temperaturen fanden sich über 600 Teilnehmer zum Makula-Update im Kölner Expoo XXI ein. Einer der Höhepunkte der zweitägigen Veranstaltung war die Verleihung der diesjährigen Junius-Kuhnt-Medaille an Prof. Dr. Reginald Birngruber. Von Katica Djakovic.

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In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Frank G. Holz, Direktor der Univ.-Augenklink Bonn, die wissenschaftlichen Verdienste Birngrubers um die Laseranwendung am Auge. So habe Prof. Dr. phil. nat. Reginald Birngruber, Leiter des Instituts für Biomedizinische Optik der Universität Lübeck sowie Vorsitzender des Medizinischen Laserzentrums Lübeck, gemeinsam mit Prof. Dr. Johann Roider, Kiel, das Prinzip der Selektiven Retinatherapie (SRT) entwickelt. Bei dieser Methode wird durch die Laserbestrahlung nur das funktionell veränderte Pigmentepithel in der Netzhaut gezielt zerstört, umgebende Blutgefäße, Nervenzellen der Netzhaut und Lichtrezeptoren werden hingegen geschont. Birngruber zeigte sich über die „besondere Ehre“ gerührt und entschied angesichts des Programms spontan, seine Lecture, die er zum Thema SRT vorbereitet hatte, der photodynamische Therapie (PDT) zu widmen, als erster effektiver Therapie vor Anti-VEGF.

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Übergabe der Junius-Kuhnt-Medaille an Prof. Dr. Reginald Birngruber (Mitte) durch Dr. Veronique Deguille und Prof. Dr. Frank G. Holz (re.) sowie den beiden Vorsitzenden der diesjährigen Tagung Prof. Dr. Bernd Kirchhof (li.) und Prof. Dr. Johann Roider. 

Die wichtige Rolle genetischer Faktoren bei der Entstehung der Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) erläuterte Prof. Dr. Carel Hoyng, Nijmegen, in seinem Vortrag. Von den bisher entdeckten acht Genen, die im Zusammenhang gebracht werden mit der Entstehung der AMD, nähmen insbesondere zwei Gene (CPH und LOC) einen großen Einfluss. Die AMD als eine komplexe Erkrankung zeigte Priv.-Doz. Dr. Sascha Fauser, Köln, auf. Aus klinischer Sicht sei die Frage interessant, welcher Patient eine feuchte und welcher eine trockene Form der AMD entwickele. Auch Prof. Dr. Frank G. Holz griff diesen Punkt auf und verbildlichte, dass die Wettervorhersage leichter und sicherer sei als die Vorhersehbarkeit trockene vs. feuchte AMD. Zudem gab er zu Bedenken, dass im Hinblick auf den demographischen Wandel die geographische Atrophie nicht länger als seltene Form anzusehen sei.

Rund 20 Vorträge hochkarätiger Referenten zum Thema Makulaerkrankungen boten sich den Teilnehmer an den beiden Veranstaltungstagen sowie Videodemonstrationen und Falldiskussionen, einen Praxis-Workshop PDT und als einen weiteren Höhepunkt der Tagung ein Retinologisches Konsilium Diagnostikum. Dieses setzte sich aus einem sechsköpfigen Panel zusammen, dem unter der Moderation von Prof. Dr. Karl-Ulrich Bartz-Schmidt, Tübingen, und Prof. Dr. Johann Roider, Kiel, Fallbeispiele vorgestellt wurden. Die anwesenden Teilnehmer konnten, bevor die Experten ihre Meinung zu Diagnostik und Therapie abgaben, per TED abstimmen.

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Das sechsköpfige Panel des Konsilium Diagnostikum setzte sich zusammen aus (v.l.n.r.) Prof. Dr. Michael Foerster, Prof. Dr. Hans Hoerauf, Priv.-Doz. Dr. Hendrik Scholl, Priv.-Doz. Dr. Jost Hillenkamp, Dr. Sandra Liakopoulos sowie Prof. Dr. Bernd Kirchhof.

Der mit 3.000 Euro dotierte Junius-Kuhnt-Award ist eine internationale Auszeichnung für die Erforschung der AMD und wird gemeinsam von der Univ.-Augenklinik Bonn, vertreten durch Prof. Dr. Frank G. Holz, und der Novartis Pharma GmbH, Nürnberg, vertreten durch Dr. Veronique Deguille, getragen. Übergeben wird die Auszeichnung einmal jährlich im Rahmen des Makula-Updates in Gedenken an die Ophthalmologen Prof. Dr. Paul Junius und Prof. Dr. Hermann Kuhnt, die beide an der Augenklinik in Bonn tätig waren. Gemeinsam veröffentlichten die Augenärzte 1926 die Monographie „Die scheibenförmige Entartung der Netzhautmitte“, in der erstmals das Endstadium der neovaskulären Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) vorgestellt wird. Nach der Erstbeschreibung der feuchten AMD durch Michel (1878) gilt diese Arbeit noch heute als richtungsweisend.