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Aus der aktuellen Ausgabe

02/2017:

Frühe Lesebrille

Serie zur Sammlung Roth
Immer mehr Menschen lernten im ausgehenden Mittelalter das Lesen. Der Schulbesuch, von der Kirche und der Obrigkeit gefördert, wurde bald für nahezu jedermann möglich. Die Fähigkeit des Lesens setzte aber beim weitsichtigen, vor allem aber dem altersweitsichtigen Menschen das Vorhandensein einer passenden Brille voraus. Sie wurde um 1290 erfunden. Das wurde erst möglich, nachdem es gelang, ein durchsichtiges Glas herzustellen und dies zu einer optisch brechenden Linse zu formen. Die frühen Brillen waren allerdings für den einfachen Bürger noch unerschwinglich, erst als sie als preiswerter Massenartikel zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf den Markt kamen, konnte die klassische Lesebrille auch die einfache Bildungsschicht erreichen.

Mit stetigem Anstieg der Altersgrenzen wurde die Lesebrille immer häufiger gebraucht. Es galt daher, nach billig herzustellenden Linsen und einfachen Gestellen zu suchen. Die ersten Brillen bestanden aus zwei Holzrahmen, ähnlich unseren heutigen Leselupen. Diese waren paarweise am Ende des Griffs mittels eines Niets beweglich verbunden, dadurch konnte das Gläserzentrum dem jeweiligen Pupillenabstand angepasst werden. Im frühen Buchdruck finden sich Hinweise auf ihre Konstruktion: Mit einigem Glück hielten sie auch auf dem Nasenrücken, sonst hielt man sie in der Hand. Ihre Brechwerte lagen bei zwei bis drei Dioptrien, das Glas war aufgrund von metallischen Verunreinigungen leicht grün gefärbt.

Mehr dazu im AUGENSPIEGEL Februar 2017.