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Kurznachrichten

09/2017:

DOG: Wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit muss gestärkt werden

Nach wie vor genießen Forscher aus Deutschland weltweit hohes Ansehen. So liegt die Bundesrepublik trotz eines vergleichsweise bescheidenen Umfangs an Fördermitteln beim wissenschaftlichen Output in der Augenheilkunde hinter den USA und Großbritannien auf Platz drei. Doch China holt rasant auf, nimmt bereits Rang vier ein. Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) fordern daher stärkere europäische Vernetzung und gezielte staatliche Unterstützung.

Eine aktuelle Übersicht der DOG zeigt: Grundlagenwissenschaft findet in der Ophthalmologie vor allem an deutschen Universitäts-Augenkliniken statt. „Alle wichtigen Themen der Augenheilkunde sind dort auf Forschungsebene vertreten“, erklärt DOG-Präsident Professor Dr. med. Thomas Kohnen. „Sie reichen von Makuladegeneration, Netzhauterkrankungen und diabetischen Augenveränderungen über Entzündungen des Augeninneren, Grünen Star, Hornhaut- und Linsenerkrankungen, refraktive Chirurgie und molekulare Bildgebung bis hin zur Rekonstruktion der Augenoberfläche.“

Wirft man einen analytisch-vergleichenden Blick auf die Zahlen und Tendenzen, die hinter diesen Forschungsprojekten stehen, wird zweierlei sichtbar. „Obwohl der ophthalmologischen Forschung hierzulande nur 34 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen – in den USA sind es schätzungsweise 700 Millionen US-Dollar –, ist Deutschland nach wie vor eine der führenden Wissenschaftsnationen“, bilanziert Professor Dr. med. Claus Cursiefen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemeine Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln. So kommt eine Analyse der ophthalmologischen Fachbeiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften für die Jahre 2015/2016 zu dem Ergebnis, dass Deutschland mit einem Anteil von 7,2 Prozent an dritter Stelle hinter den USA (37,6 Prozent) und Großbritannien (8,2 Prozent) liegt. Auch beim Vergleich der Zitationen wissenschaftlicher Beiträge ergibt sich dieses Ranking.

Doch die asiatischen Länder, allen voran China, holen rasant auf. China liegt bereits auf Platz vier, sowohl bei den Fachbeiträgen als auch bei den Zitationen. „Das hängt direkt mit den kontinuierlich steigenden Fördermitteln zusammen, die die Volksrepublik in die Forschung investiert“, erläutert DOG-Experte Cursiefen. „In Anbetracht des Aufschwungs asiatischer Länder besteht Handlungsbedarf, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und seiner Leistungsträger im internationalen Vergleich zu sichern“, so Cursiefen.

Zu den Maßnahmen, die das leisten könnten, gehört die Gewährung von Forschungsfreiräumen – insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Arbeitsverdichtung, die den klinischen Alltag bestimmt. „Auch muss sich das Wissenschaftsumfeld, etwa durch Flexibilität bei den Arbeitszeiten und Angebote zur Kinderbetreuung, stärker auf die Bedürfnisse von jungen Müttern und Vätern in der Medizin einstellen“, meint Cursiefen. „Darüber hinaus braucht es attraktive Karriereendpunkte in Form fester Anstellungen sowohl für forschende Ärzte als auch für Naturwissenschaftler“, fügt der DOG-Experte hinzu. Beschäftigungsmodelle, die von Anfang an darauf ausgerichtet sind, nur einen Bruchteil der Mitarbeiter dauerhaft zu halten, seien einer hochwertigen wissenschaftlichen Leistung nicht förderlich. Schließlich müsse der Grundetat für Forschung an deutschen Universitäten erhöht werden. „Die deutschen Universitätskliniken sind chronisch unterfinanziert“, kritisiert der Kölner Ophthalmologe.

Welche Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sichern können, werden die Experten anlässlich des DOG-Jahreskongresses (DOG 2017: 28. September bis 1. Oktober 2017, Estrel Berlin) erläutern.

Quelle:
DOG
http://www.dog.org