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Kurznachrichten

09/2017:

DOG verweist auf Internationalität des Faches

Seit der Erfindung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz hat die deutsche Augenheilkunde die internationale Entwicklung des Fachs beeinflusst. Bis heute genießen Forscher aus Deutschland weltweit ein sehr hohes Ansehen. „In Anbetracht des rasanten Aufschwungs asiatischer Länder besteht jedoch Handlungsbedarf, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und seiner Leistungsträger zu sichern und zu stärken“, sagt Professor Dr. med. Thomas Kohnen, Präsident der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft). Welche wegweisenden Konzepte derzeit die Behandlung millionenfach verbreiteter Augenleiden verbessern können, werden Experten im weltweiten Austausch auf dem DOG-Kongress 2017 unter dem Motto „Deutsche Augenheilkunde international“ in Berlin diskutieren.

Auf dem diesjährigen Kongress der DOG präsentieren Wissenschaftler unter anderem Fortschritte auf dem Weg zur totalen Brillenfreiheit bei Katarakt, neue Medikamente für die altersabhängige Makuladegeneration (AMD), innovative Therapien bei Glaukom und kindliche Schwachsichtigkeit sowie erste Studienergebnisse der Gentherapie am Auge. Der Kongress findet vom 28. September bis 1. Oktober 2017 in Berlin statt.

Augenleiden sind Volkskrankheiten. Rund 18 Millionen Deutsche sind betroffen. Davon leiden etwa 2,5 Millionen unter AMD; an Katarakt sind schätzungsweise zehn Millionen erkrankt. „Die Operation des Grauen Stars, die Katarakt-OP, zählt mit 800.000 Eingriffen jährlich zu den häufigsten Operationen hierzulande überhaupt“, sagt DOG-Präsident Kohnen. Dabei ersetzen die Chirurgen die trübe Linse durch eine Kunstlinse.

Welche Fortschritte bei der Katarakt-OP auf dem Weg zur absoluten Brillenfreiheit erzielt werden können, diskutieren Experten der DOG in englischsprachigen Sitzungen, die gemeinsam mit internationalen Gesellschaften wie der European Society of Cataract and Refractive Surgeons (ESCRS), der European Society of Retina Specialists (EURETINA) und dem International Intraocular Implant Club (IIIC) veranstaltet werden. So wird der US-Experte Professor Dr. med. Douglas D. Koch, einer der weltweit profiliertesten Katarakt-Chirurgen, in seiner Keynote Lecture darlegen, wie sich die Genauigkeit der Brechkraft von Kunstlinsen noch weiter verbessern lässt.

„Dazu gehören Methoden, die die Krümmung der Hornhautrückfläche messen, die Neigung und Zentrierung der Kunstlinse berücksichtigen, die die effektive Linsenposition ermitteln sowie nach der Operation Restfehler in der Brechkraft beheben“, so Kohnen. Insgesamt lassen sich heute bei normalen Augen 90 Prozent Sehkraft innerhalb von 0,5 Dioptrien zum Zielwert durch die Katarakt-OP erreichen. „Damit kommen wir dem Traum von der Brillenfreiheit für Nah- wie Fernsicht ziemlich nahe“, betont Kohnen.

In weiteren international besetzten Symposien diskutieren die Wissenschaftler neue Therapieansätze für die AMD und kindliche Schwachsichtigkeit, die Amblyopie. „Für die Therapie der feuchten AMD sind jetzt weniger Arztbesuche notwendig, zudem befinden sich zwei neue Wirkstoffe in der Erprobung“, berichtet Kohnen. Erstmals wird auch ein Antikörper zur Behandlung der trockenen AMD getestet. „Für die Therapie der kindlichen Schwachsichtigkeit wiederum gibt es seit neuestem spezielle Computerspiele, deren Effekte erforscht werden“, fügt der DOG-Präsident hinzu.

Auch der augenheilkundliche Wissenschaftsstandort Deutschland ist Thema eines Symposiums auf der DOG 2017. „In der klinischen Forschung ist Deutschland gleichauf mit anderen führenden Nationen, in der ophthalmologischen Grundlagenforschung haben einige Länder wie Großbritannien, USA und Japan einen geringen Vorsprung“, sagt Kohnen. Um mit den aufstrebenden asiatischen Ländern mithalten zu können, benötige Deutschland jedoch mehr europäische Förderung und auch stärkere staatliche Unterstützung, betont der DOG-Präsident.

DOG: Forschung – Lehre – Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7200 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.


Quelle:
DOG
http://www.dog.org