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Berufspolitik

10/2007:

Der Ophdo hängt wieder in der Warteschleife

Im Oktober werden die Weichen gestellt: Der erweiterte Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen wird die Regeln für die neue Honorarverteilung unter den niedergelassenen Ärzten ab Januar festlegen. Vorentscheidungen sind im September gefallen. Von Angela Mißlbeck.

Kommt er oder kommt er nicht? In der Sommerpause sah es noch so aus, als ob der Ophdo-EBM ab 2008 neue Abrechnungsgrundlage für Augenarztpraxen werden würde. Dann legten die Krankenkassen Veto ein. Zu schnell ging ihnen die Neueinführung des Pauschalensystems. Die Auswirkungen seien noch nicht kalkulierbar, so der Einwand von Kassenseite. Doch ausgeschlossen war noch nichts.

Auch jetzt ist die letzte Messe zum EBM 2008 noch nicht gesungen. Erst Mitte Oktober wird der Bewertungsausschuss von Ärzten und Krankenkassen endgültige Entscheidungen treffen. Dabei steht fest, dass die Abrechnung für Hausärzte grundsätzlich auf Pauschalen umgestellt werden soll. Für Fachärzte ändert sich dagegen vorerst wenig. Ans Eingemachte geht es danach im erweiterten Bewertungsausschuss. Er muss über die Bewertung der Leistungen beschließen, denn dabei liegen Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen meilenweit auseinander. Die Ärzteschaft hofft auf den gesundheitsökonomischen Sachverstand des neuen Vorsitzenden des Gremiums Professor Jürgen Wasem.

Praktisch ausgeschlossen ist jedoch inzwischen, dass der Ophdo bereits 2008 kommt. Nach der Sitzung des Bewertungsausschusses Mitte September zeichnete sich ab, dass die Augenärzte wie alle anderen Fachärzte erst 2009 nach einem neuen Pauschalensystem abrechnen sollen.

Doppelte Doku mit halbem Aufwand – geht das?

Dafür steht so gut wie fest, dass Ärzte aller Fachrichtungen trotz stärkerer Pauschalierung bei der Abrechnung ihre erbrachten Leistungen im Detail dokumentieren müssen. Der Vorschlag der KBV sieht vor, das sich bei der Abrechnung einer Pauschale in der Praxissoftware ein Fenster öffnet, in dem jeder Arzt die einzelnen Leistungen der Pauschale zur Dokumentation anklicken kann, die er erbracht hat. So will die ärztliche Körperschaft Mehraufwand für die Ärzte vermeiden und gleichzeitig Argumente sammeln, um den Krankenkassen im Zweifelsfall nachzuweisen, dass Ärzte trotz pauschaler Abrechnung die Einzelleistungen wie gehabt erbringen.

„Eine geringe Transparenz, die den Kassen ermöglichen würde, eine Ausdünnung der erbrachten Leistungen zu unterstellen und damit auf eine Kürzung der Pauschalen hinzuarbeiten, ist dem augenärztlichen Anliegen nicht förderlich“, sagt auch Eva Hansmann, Geschäftsführerin des Bundes Deutscher Ophtalmochirurgen (BDOC). Aus ihrer Sicht hätte der Ophdo jedoch die nötige Aufschlüsselung der Leistungen gewährleistet. „Der Ophdo ist ausreichend transparent“, so Hansmann. Sie geht zudem davon aus, dass sich spätestens mit der Einführung des Ophdo der Abrechnungsaufwand deutlich verringert.

Dass die Abrechnung tendenziell einfacher wird, glaubt auch die Vorsitzende der Augenärztlichen Genossenschaft Bayern, Dr. Regine Poetzsch-Heffter. „Die EBM-Reform wird natürlich die Abrechnung erleichtern, da es noch weniger Ziffern geben wird“, so die Augenärztin aus Bayreuth. Um die Transparenz und Darstellbarkeit der Leistungen sorgt sie sich dagegen nicht. „Eine Einzelleistungshonorierung hat auch im derzeit geltenden EBM nicht stattgefunden“, so Poetzsch-Heffter unter Verweis auf die Budgetierung.

Ganz anders der Aufsichtsratsvorsitzende der neuen Augenärztlichen Genossenschaft Westfalen Dr. Ulrich Oeverhaus. Er steht der Pauschalierung skeptisch gegenüber. „Immer weniger lässt sich die Differenziertheit einer Praxis darstellen“, warnt Oeverhaus. Dagegen glaubt er nicht an eine Vereinfachung der Abrechnung. „Es ändert sich nicht viel. Wir haben ja kaum noch Zusatzleistungen“, so Oeverhaus.

Mehr Geld – aber ab wann und wie viel?

Skeptisch zeigt sich Oeverhaus auch mit Blick auf die verbesserte Vergütung, die mit der EBM-Reform kommen soll. Völlig desillusioniert äußert sich Poetzsch-Heffter. „Dass durch die Reform neues Geld in das System kommt, halte ich für so wahrscheinlich wie einen Hurrikan in der Antarktis“, sagt sie. Vom „Tal der Tränen“ sprach KBV-Chef Dr. Andreas Köhler mit Blick auf das nächste Jahr. Erst ab 2009 erwartet er eine verbesserte Finanzierung. Verhaltenen Optimismus verbreitet immerhin die BDOC-Geschäftsführerin. „Ich halte es zwar für wahrscheinlich, dass mehr Geld bei den Augenärzten ankommt, dass die Menge unseren Vorstellungen gerecht wird, darf allerdings bezweifelt werden“, so Eva Hansmann. Nötig sei es jedoch dringend, schon allein aufgrund von Kostensteigerungen seit der Kalkulation des jetzigen EBM.