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Aus der aktuellen Ausgabe

03/2017:

Das Glasauge

Serie zur Sammlung Roth
Das menschliche Auge prägt das Aussehen eines Individuums. Es kommuniziert mit seinem Gegenüber, ist ein Bestandteil der Mimik. Der Anblick einer leeren Augenhöhle erschreckt. Ein zerstörtes oder gar fehlendes Auge lässt den Betrachter erschauern. Narben in diesem Bereich, gleich welcher Ursache, führen zum Verlust der Ästhetik, sie entstellen das Gesicht. Der Ausfall eines Auges wiegt also nicht nur schwer wegen des Verlustes der Sehfunktion, sondern auch wegen des damit verbunden kosmetischen Defizits. Über die Jahrhunderte pröbelten Menschen daher, den fehlenden Augapfel durch eine möglichst naturgetreue Prothese zu ersetzen. Dies erforderte ein hohes handwerkliches Geschick. Natürliche Materialien wie Bernstein, Edelmetall oder Bergkristall waren einst bevorzugte Ausgangsstoffe. Heute ist es das Glas, das, von Künstlerhand geformt, die Grundlage einer Augenprothese bildet.

Bereits in der Antike war man bestrebt, den Verlust eines Auges, sei es durch Krankheit oder Unfall geschehen, zu ersetzen. Das älteste bekannte Kunstauge wurde von Archäologen in Persien entdeckt, sein Alter schätzt man auf 5.000 Jahre. Auch die Ägypter kannten schon die Augenprothese, sie gab es für den lebenden wie auch den mumifizierten Pharao. Seine künstlichen Augen waren aus Edelsteinen geschliffen, aus Glas oder Metall geschmolzen oder aus Elfenbein geschnitzt. Im alten China nutzte man vornehmlich Porzellan als Ausgangsmaterial,- die Griechen brauchten das Glasauge für ihre Bronzestatuen, ihre Theatermasken und sogar Puppen. In Rom nannte man den Glasaugenhersteller, den „Faber oculi“, eben den Augenmacher oder Augenkünstler, er war auf Grund seiner Fertigkeit hoch angesehen. Büsten, schon im alten Syrakus mit Glasaugen ausgestattet, hatten, so Archimedes, immer etwas Menschliches.

Mehr dazu im AUGENSPIEGEL März 2017.