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Aus der aktuellen Ausgabe

06/2016:

Das Alypin in der Augenheilkunde

Serie zur Sammlung Roth
Die Empfindlichkeit des Auges gegenüber Schmerzen, der heftige Lidschlussreflex bei Berührung oder Verletzung dient einerseits seinem Schutz, andererseits hindert der starke Lidkrampf daran, einen Fremdkörper von Bindehaut oder Hornhaut zu entfernen. Über viele Jahrtausende dürfte es kaum ein Mittel aus der Naturheilkunde gegeben haben, um dieses Problem zu unterlaufen. Erst die Entdeckung der oberflächenanästhesierenden Eigenschaften von Kokain und später die Synthese von Alypin revolutionierte zu Beginn des letzten Jahrhunderts die Augenheilkunde. 

Die berauschenden und schmerzstillenden Eigenschaften der Blätter des Cocastrauches waren bereits den Inkas bekannt. Spanier brachten das naturkundliche Wissen mit der Pflanze nach Europa. Es dauerte allerdings bis um die Mitte des vorletzten Jahrhunderts, bevor es gelang aus den Kokablättern das Kokain als Wirksubstanz zu isolieren und anzureichern. Bald wurde seine anästhesierende und pupillenerweiternde Wirkung entdeckt. Als Augentropfen eröffnete es für die Ophthalmologie Neuland, operative Eingriffe wie beispielsweise die Kataraktchirurgie oder die erste Hornhauttransplantation wurden jetzt in Lokalanästhesie möglich. Allerdings hatte das Kokain einen großen Nachteil, seine Toxizität erlaubte nur einen eingeschränkten beziehungsweise kurzfristigen Einsatz am Auge, die mehrfach wiederholte Anwendung führte zur Zerstörung des Hornhautepithels und zu postoperativen Heilungsstörungen. Man suchte lange nach einem Ersatz.

Mehr dazu im AUGENSPIEGEL Juni 2016.