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Aus der aktuellen Ausgabe - Berufspolitik

11/2007:

Augenärzte gesucht

Deutschlands Ärzte werden immer älter. Nachwuchsmangel droht vor allem auch in der Augenheilkunde. Niedergelassene Augenärzte finden oft keine Nachfolger. Von Angela Mißlbeck.

Seit Jahren warnen Ärzteverbände vor einem Hausarztmangel. Jetzt zeigt sich: Auch einige Facharztgruppen haben Nachwuchssorgen. An erster Stelle nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Augenärzte. Der neuesten Arztzahlstudie von KBV und Bundesärztekammer zufolge ist gut die Hälfte der niedergelassenen Augenärzte in Deutschland älter als 50 Jahre. Jeder Sechste hat bereits das sechzigste Lebensjahr überschritten. Die KBV rechnet damit, dass in den nächsten fünf Jahren rund 1.250 von derzeit 5.262 Augenärzten in den Ruhestand gehen werden. Nachwuchs in entsprechend großer Anzahl ist nicht in Sicht.

In den letzten fünf Jahren haben bundesweit 972 Augenärzte ihre Zulassung abgegeben. Dabei ist die Gesamtzahl der Augenärzte in Deutschland jedoch noch annähernd gleich geblieben. Das wird sich nach Schätzungen der KBV nun ändern. Nicht mehr alle Augenarztpraxen können nachbesetzt werden. Bereits in diesem Jahr werden der ambulanten Versorgung den KBV-Daten zufolge gut vierzig Augenärzte verloren gehen. Ende 2008 gibt es voraussichtlich noch einmal knapp 60 Augenärzte weniger. Schrittweise sinkt so nach den Berechnungen KBV die Zahl der niedergelassenen Augenärzte in Deutschland von zuletzt 5.262 auf 4.942 am Ende des Jahres 2016.

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In manchen Regionen Deutschlands ist das keine Zukunftsmusik, sondern bereits Realität. So sind in den letzten zehn Jahren elf Prozent der Augenarztpraxen in Sachsen-Anhalt ohne Nachfolger geblieben und geschlossen worden. In die Lücke müssen nun die Kliniken springen. Die regionale KV hat die stationären Augenkliniken in Dessau und Haldersleben und die Uni-Augenklinik in Halle pauschal für drei Jahre zu Teilnahme an der ambulanten Versorgung ermächtigt. Sie hofft, dass damit die Versorgung der Patienten vorerst gesichert ist, die oft monatelang warten oder Hunderte von Kilometern zurücklegen, um einen Augenarzttermin zu bekommen.

Die Kliniken betrachten diese Entwicklung mit Skepsis. „Ich sehe das kritisch, weil wir damit zu Konkurrenten für die Niedergelassenen werden. Wir sind aber eigentlich Konsultationspunkt. Das geht nur als absolute Notmaßnahme“, sagt Professor Dr. Hans-Gert Struck von der Universitäts-Augenklinik Halle. Seiner Einschätzung nach liegt der wachsende Mangel im ambulanten Bereich nicht daran, dass Nachwuchs prinzipiell fehlen würde, sondern daran, dass manche Niederlassungen einfach nicht attraktiv genug sind. So konnte die Augenklinik der Uni Halle laut Struck bislang noch jede freiwerdende Arztstelle besetzen. „Ärzte, die bei uns weitergebildet werden, bräuchten eine gesicherte wirtschaftliche Perspektive für die Niederlassung. Politik und KV müssten das so attraktiv gestalten, dass der Nachwuchs sich wieder niederlässt“, so Struck. Er plädiert zudem dafür, die Budgets der Augenärzte in Mangelregionen aufzustocken. „Viele Kollegen würden sicher mehr machen, wenn ihr Budget nicht so schnell ausgeschöpft wäre“, sagt der Klinikarzt. Sein Fazit insgesamt: „Die finanzielle Attraktivität dieser Stellen muss verbessert werden.“

Laut KV Sachsen-Anhalt liegt das durchschnittliche GKV-Honorar eines konservativen Augenarztes derzeit bei 28.000 Euro im Quartal, operierende Augenärzte erzielen Quartalshonorare von durchschnittlich 38.000 Euro. Diese Größenordnung garantiert die KV Sachsen-Anhalt einem Augenarzt, der eine so genannte Sicherstellungspraxis übernimmt. Das ist nun in der Landeshauptstadt Magdeburg vorgesehen, wo rund 38.000 Menschen nach KV-Angaben nicht augenärztlich versorgt sind.

Probleme scheint es schon im Medizinstudium zu geben. Denn nach den Daten von KBV und Bundesärztekammer sind mehr als 40 Prozent der Medizinstudenten, die 1997 ihr Studium begonnen haben, 2003 nicht in der Arzt-im-Praktikum-Phase angekommen.