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Tagungsberichte

04/2007:

AAD: Zur achten gemeinsamen Tagung von BVA und DOG

Hightech-Diagnostik, Kosten und Karneval
Den rund 4.000 Tagungsteilnehmern der Augenärztlichen Akademie (AAD) hatte Düsseldorf einiges zu bieten: nicht nur ein umfangreiches fünftägiges Fortbildungsangebot, das in Form von Vorlesungen, Seminaren und Symposien zu einem umfassenden Wissens- und Erfahrungsaustausch rund um das komplette Themenspektrum der Ophthalmologie einlud, und nicht nur die brandaktuelle Verkündigung des Gesundheitsreformgesetzes, sondern auch einen ungewohnt tiefen Einblick in den rheinischen Frohsinn: zeitgleich zum Karnevalsauftakt gelegen, erlaubte die AAD auch den raschen Wechsel vom ernsten Tagen zum närrischen Treiben. Von Ulrike Lüdtke.

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Als achte gemeinsame Fortbildungsveranstaltung des Berufsverbandes der Augenärzte (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) tagte die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) in diesem Jahr zum Hauptthema „Apparative Diagnostik in der Augenheilkunde“. Ein Thema, das unterschiedlichste Fragestellungen aufwirft und insbesondere durch den rasanten Fortschritt in der Medizintechnik immer wieder neue Aktualität erhält. Grund genug also die apparative Diagnostik, wie bereits zur AAD vor fünf Jahren, erneut in den Mittelpunkt der Tagung zu stellen, so Prof. D. A. Kampik, Generalsekretär der DOG. Diesmal galten die Fragen jedoch weniger den Aspekten, Standards, Erfahrungswerten und Evaluation. Vielmehr konzentrierte sich die Betrachtung nach den erfolgten rasanten Weiterentwicklungen der letzten Jahre auf eine Abwägung zwischen Möglichem und Notwendigen und eine Abgrenzung zu den weniger apparativen Untersuchungen, solche die Erfahrung und den klinischen Blick als Grundlage haben. Eine Betrachtung, die, wie Kampik betonte, heute zunehmend auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Kosten und einer nachgewiesenen Effizienz für eine ausreichende Diagnostik einschließe und damit den Stand der Wissenschaft und Erfahrung wieder zurück in die tägliche Praxis überführe.

Was die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Kosten im Einzelnen bedeuten kann, machte Dr. Uwe Kraffel, erster Vorsitzender des BVA, anlässlich der Pressekonferenz deutlich. Während namhafte Referenten den zahlreichen Vertretern von Fach- und Publikumspresse die innovativen Methoden und Behandlungsmöglichkeiten der Augenheilkunde vorstellten (wie neueste Verfahren zur Netzhaut- und Sehnervanalysen bei Diabetischer- und Frühgeborenen-Retinopathie oder intravitreale Injektionen bei AMD) ernüchterte Kraffel abschließend mit der Feststellung, dass die Hightech-Diagnostik als Voraussetzung für neue Behandlungsmethoden zu immer mehr Kosten führe, die nicht im Rahmen der GKV bezahlbar seien – mit zwangsläufigen Folgen für die Patienten.

Hightech-Diagnostik als Kostenfalle?

Zwar würden sich immer mehr Möglichkeiten bieten, aber das System habe nur begrenzte Mittel. Für diese Fortschrittsfalle der Medizin habe auch die Gesundheitsreform keine Lösung anzubieten, so Kraffel. Mit der Reform erfolge eine Umstellung der Kontrolle auf das Gesundheitsministerium, das damit auch die Einführung neuer Methoden stärker kontrolliere. Die Gesundheitsspardiskussion werde eine Behandlungsverweigerungsdiskussion. So kämen beispielsweise bei der flächendeckenden Behandlung der AMD mit den intravitrealen Injektionen etwa 400 Millionen Euro Kosten auf die GKV zu, sollten diese in den Leistungskatalog übernommen werden. Dies müsste zwangsläufig zu Einsparungen bei anderen Ausgaben der GKV führen. Damit sei die Alternative: entweder die Belastung auf alle verteilen oder dem Einzelnen die Behandlung verweigern. „Das ist die Diskus-sion, die ansteht“, so Kraffel. Seine klare Forderung: ein Zuzahlungsmodell ähnlich wie in der Zahnheilkunde, das dem Patienten die freie Wahl erlaube, neben der „medizinisch notwendigen“ auch die bestmögliche Versorgung für sich in Anspruch nehmen zu können.

Auch Dr. Ludger Wollring, Vorsitzender des Landesverbandes NRW im BVA und gleichzeitig zuständig für das Ressort Praxisführung, Struktur und Technik sieht trotz Rezession die Notwendigkeit, Hightech-Diagnostik weiter auszubauen: „Die neuen diagnostischen Verfahren zur Analyse der Netzhautveränderungen erlauben eine zielgerichtete und qualitätsoptimierte Behandlung, wodurch unsere allseits begrenzten Ressourcen besser genutzt werden können.“ Von diesen Untersuchungsmethoden profitiert vor allem der Patient: Die neuen Diagnoseverfahren sind nicht nur zeit- und kostensparend, sondern auch weniger belastend“, hieß es in einer Stellungnahme im Anschluss an die AAD.

BVA-Medienpreis

Den BVA-Medienpreis 2007 verlieh der Berufsverband der Augenärzte im Rahmen der Pressekonferenz an Kai Gerullius, Redakteur für das Ressort Ratgeber/Themendienste der ddp sowie an die Redaktion SAT.1 Planetopia, stellvertretend überreicht an Richard Kremershof. Wie auch in den vergangenen Jahren wurde mit der Verleihung des Medienpreises die Gesundheitsberichterstattung und insbesondere die Auseinandersetzung mit Themen aus der Augenheilkunde gewürdigt. Bei beiden Medien zählen Medizinthemen zu den Standardthemen. Insbesondere die allgemein verständliche Darstellung fördere das Verständnis in der Bevölkerung und komme dem Aufklärungsanliegen der Augenärzteschaft entgegen, so Kraffel bei der Preisverleihung.

Patientengruppen

Einen wachsenden Zulauf verzeichneten die beiden Patientenveranstaltungen am Eröffnungstag der AAD. Zur nun 3. Veranstaltung mit dem Initiativkreis Glau-komfrüherkennung e.V. Glaukom fanden sich mit rund 100 Teilnehmern deutlich mehr Besucher als noch im Vorjahr. Die Vorträge zu Früherkennung, Verlauf, Risikoaspekt und zeitgemäßer Therapie wurden in der anschließenden Diskussion rege nachgefragt. Dabei standen insbeson-dere die Themen Medikation, Laserbehandlung und Operation im Mittelpunkt des Interesses. Nach Einschätzung der Veranstalter zeigen die gezielten Fragen der Teilnehmer zu IOD, Gesichtsfeld, subjektiven Beschwerden und Tropfen, dass die Patienten mittlerweile über eine breite Informationsbasis zum Krankheitsbild verfügen.

Die Patientenveranstaltung AMD, die vom BVA und der Pro Retina zum fünften Mal veranstaltet wurde, besuchten etwa 160 Teilnehmer. Die Veranstaltung war sowohl für die von der AMD betroffenen Patienten als auch für ihre Angehörigen gedacht und großes Interesse galt dieses Jahr den intravitrealen Injektionen.

Berufspolitik

Die unglückliche Entwicklung in der Gesundheitspolitik überschatte die diesjährige AAD, hatte es noch zu Beginn der Tagung seitens des BVA geheißen. Doch kurz vor Tagungsende konnte Kraffel brandaktuell vermelden, dass das Gesundheitsreformgesetz den Bundesrat passiert hat. Und nun hörte man, Ende gut, wenn auch nicht alles gut!

Kraffel erläuterte in Grundzügen das neue Gesetz, „in dem mehr drin steht, als ich, Sie oder die Politiker überblicken“. Einige Punkte seien in der Entwicklung nicht abzusehen, über die Folgen könne nur spekuliert werden, so Kraffel, der dann die Reform in den wesentlichen Punkten darstellte: Sicherlich werde das Gesetz ein Erfolg werden, es frage sich nur für wen – ob für die Kassen oder die Ärzte. Erfreulich sei, dass im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung Augenärzte auch weiterhin von den Patienten direkt kontaktiert werden dürften. Kritisch sei hingegen der Gesundheitsfonds zu sehen, der zu einer Geldverschiebung von besser verdienenden Gebieten hin zu schlechter verdienenden führe. Zwar solle die Abwanderung mit einer festen Summe (100 Millionen Euro) begrenzt werden, aber: es sei kein Zeitpunkt für das Erreichen dieser Begrenzung genannt worden. Auch der Spardruck, in den Krankenkassen künftig geraten werden, da sie bei Nachforderungen einseitig den Patienten und nicht den Arbeitgeber belasten, könne zu Lasten der Strukturverträge gehen und damit den Kollegen schaden.

Beim Basistarif, den Private Krankenkassen ab 2009 anbieten müssten, sei völlig unklar, welche Folgen sich daraus ergeben würden: Ärztliche Leistungen würden darin mit dem 1,8-fachen GOÄ-Satz vergütet, es sei denn, Kassen und KBV verhandelten andere Sätze. Das kann für Vertragsärzte erhebliche Einnahmeverluste bedeuten. Wie hoch diese sind, hängt maßgeblich davon ab, wie viele privat Versicherte in den neuen Tarif wechseln. Allerdings könnten auch gesetzlich Versicherte zur PKV wechseln und die Kostenerstattung wählen. Eine Variante, die nach Kraffels Einschätzung eine Möglichkeit für die Ärzteschaft biete, da somit große Teile der Bevölkerung für eine Kostenerstattung zu gewinnen sei. Sorge bereite ihm nur, dass laut Gesetz, die Abwicklung über die KBV stattfinden könne. Dies bedeute zukünftig, dass auch Privatrechnungen an die KV zu schicken seien.

„Mit neuer Regelung ist nichts zu retten.“

Heftige Reaktionen im bis dato konzentriert lauschenden Publikum lösten die Erläuterungen zur neuen Gebührenordnung aus.Die von Kraffel vorgetragene frohe Botschaft, es werde einen bundeseinheitlichen Punktwert geben, ohne begrenztes Budget und ohne Abschlag, relativierte sich für die Zuhörer rasch und unter lauten Unmutsäußerungen. Zwar sollen feste Preise gelten und der Punktwert nach Morbidität und Praxis weiterentwickelt werden, doch die Honorare sind durch ein Gesamtvergütungsbudget und arztbezogene regionale Leistungsmengen sehr wohl weiterhin begrenzt. „Mit dieser neuen Regelung ist nichts zu retten“, so eine erboste Wortmeldung, dies sei nicht das, was man brauche, um den Verlust der letzten Jahre auszugleichen, in denen ihnen etwas gestohlen worden sei, lautete eine andere. Und: Es handele sich lediglich um die Ausschöpfung der Wirtschaftlichkeitsreserven, nicht um eine Erhöhung des Gesamtvolumens. Kritische Stimmen, an die Kraffel appellierte, das „Gesetz nicht gegen den Strich“ zu lesen. Immerhin gäbe es nun eine feste Vergütung, die Regelleistungsvolumina könnten sich ebenso wie der Punktwert entsprechend der jährlichen Neukalkulation nur nach oben entwickeln.

„Wir sind nicht das letzte Mal auf die Straße gegangen.“

Während Kraffel seine Hoffnung auf einen Punktwert von 5 Cent formulierte, Zwischenrufe aus dem Hörsaal 7 Cent forderten, löste der grundsätzliche Einwand eines Zuhörers, dass die Konstruktion auf einem zu niedrigen Punktwert aufbaue und zu einem Absterben der Praxisversorgung führte, resignierte Zustimmung aus. Wichtig sei, weiterhin Druck zu machen, um zu erreichen, was das neue Gesetz an Möglichkeiten biete, appellierte Kraffel und formulierte auf die Frage, welche Strategie für die Zukunft vom BVA zu erwarten sei, die von ihm favorisierte dreifache Strategie: Erstens bejahe er die Zulassungsrückgabe, aber realistisch sei nicht die gemeinsame Rückgabe zu einem Stichtag, sondern der Beginn in Regionen mit vollen Praxen, um ein Signal zu setzen. Zweitens müsse stärker für das Kostenerstattungswesen außerhalb der Strukturen gekämpft werden, dann aber nicht nur ohne KV, auch ohne eine Alternative hierzu wie beispielsweise eine Genossenschaft. Und drittens: Sollten Punkt eins und zwei nicht möglich sein, dann gelte es, die Ist-Situation mit der KV zu verbessern und hier befände man sich aufgrund seiner Funktion in der KBV in der „Pool-Position“. Er sei kampfesbereit, so Kraffel abschließend zu den skeptischen noch verbliebenen Zuhörern: „Wir müssen weiter Druck machen, müssen weiter demonstrieren!“

Fazit

An ernsten Themen also kein Mangel zur diesjährigen AAD. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen munterten doch zahlreiche „Jecke“ das Gesamterscheinungbild kräftig auf: Vor allem am Donnerstag, der traditionell als Weiberfastnacht der Eröffnungstag des Straßenkarnevals im Rheinland ist, fanden sich zahlreiche farbenfroh und exotisch gewandete Teilnehmer zur Tagung ein, darunter Piraten, Orientalen und mannsgroßes Federvieh. Zwar kostete die zeitgleiche Veranstaltung von AAD zur „fünften“ Jahreszeit im Rheinland auch etliche hundert Besucher im Vorjahresvergleich, doch zeigten sich die Industrieaussteller zufrieden: einerseits sei die reduzierte Besucherzahl spürbar gewesen, andererseits habe es intensivere Gespräche am Stand gegeben.

Den fortbildungswilligen Tagungsteilnehmern wiederum bot sich die Möglichkeit, hautnah das ausgelassene Treiben des rheinischen Frohsinns zu studieren oder zumindest einen Schnupperkurs zu belegen – eine Chance, die viele nutzten, auch noch nachdem die AAD 2007 am späten Samstag endete.

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Trotz geringer Besucherzahlen zufriedene Aussteller.

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Gut gelaunter Besuch am AUGENSPIEGEL-Stand.