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Tagungsberichte

09/2006:

104. Tagung der DOG in Berlin

Ophthalmologie in der alternden Gesellschaft
Vom 21. bis 24. September findet in Berlin die 104. Jahrestagung der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) statt. Das Hauptthema des Kongresses, der erstmals im neu erbauten Maritim Hotel ausgerichtet wird, lautet in diesem Jahr „Ophthalmologie in der alternden Gesellschaft – Herausforderung und Chance“. Entsprechend wird sich die diesjährige Tagung besonders mit den stark altersabhängigen Erkrankungen wie Makuladegeneration, Glaukom und Katarakt beschäftigen. DER AUGENSPIEGEL sprach mit dem Tagungspräsidenten Prof. Dr. Norbert Pfeiffer..

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer
DER AUGENSPIEGEL: Das diesjährige, äußerst attraktive Thema, lautet: Ophthalmologie in der alternden Gesellschaft – Herausforderung und Chance. Meine provokative Frage: Hat man denn gegen das Altern eine Chance?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Das Altern haben wir natürlich nicht im Griff. Aber schon im Vorfeld der Veranstaltung hat mich beschäftigt, wo die speziellen Probleme für die Augenheilkunde liegen. Die Augenheilkunde ist ein wichtiges Fach, nicht nur für uns als Augenärzte. Auch aus Sicht des Patienten und sogar des noch nicht Betroffenen kommt dem Sehvermögen eine besondere Bedeutung zu. Denn wenn man fragt, welche Erkrankungen am meisten gefürchtet sind, dann rangieren die chronischen Schmerzen an erster Stelle, gefolgt von der Furcht vor schwerer Sehbehinderung oder gar Erblindung. Das Sehvermögen ist beim Patienten als ein elementarer Bestandteil der Gesundheit verankert und damit haben wir Ophthalmologen einen sehr guten Stand in der Bevölkerung. Wir müssen aber feststellen, dass trotz dieser eindeutigen Bewertung die finanziellen Ressourcen sowohl für die Krankenversorgung als auch für die Forschung anders verteilt sind: Die Mittel laufen vermehrt in die Kardiologie, die Neurowissenschaften und in Krebserkrankungen.

DER AUGENSPIEGEL:
Was kann man im Rahmen eines Kongresses bewirken?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Als DOG-Präsident kann ich versuchen, dieses Missverhältnis ein wenig zu ändern. Deshalb wurden in dem diesjährigen Kongress zwei Elemente eingebaut. Zum einen soll mehr für die Forschungsförderung getan werden, was sich in Kursen und Symposien niederschlägt. Zum anderen war mir daran gelegen, auf diese besondere Problematik aufmerksam zu machen, die auf die Gesellschaft zukommt. Denn gerade die Augenheilkunde ist von der demographischen Veränderung besonders betroffen, da die Augenerkrankungen im Alter einen exponentiellen Anstieg zeigen. Wir können zwar nichts gegen das Altern tun, wir können aber durch Behandlung und Früherkennung etwas dafür tun, dass uns diese Erkrankungen im Alter nicht früher als unbedingt nötig erblinden. Wir müssen wissen, wie sich diese oder jene Erkrankung entwickeln wird und vor allem, was sozio-ökonomisch auf uns zukommt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass der Bundesausschuss das Glaukomscreening ablehnt, wohl wissend, dass Erblindungen am Glaukom im Alter signifikant zunehmen.

DER AUGENSPIEGEL:
Man scheint der Meinung zu sein, dass Altersblindheit ausschließlich durch die Katarakt bedingt ist...

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Ja, den Eindruck muss man gewinnen.

DER AUGENSPIEGEL:
Die Patienten zur Kataraktoperation werden allerdings immer jünger. Liegt dies daran, dass die Operationstechniken besser und sicherer geworden sind oder gibt es andere Ursachen?
Prof. Dr. Norbert Pfeiffer: Die Techniken sind sicherer geworden und die Anforderungen an unser Sehvermögen werden immer größer. Früher wurde operiert, wenn der Patient nicht mehr Zeitung lesen konnte. Heute gilt als Kriterium, dass er nicht mehr Auto fahren kann. Die Menschen heute sind aktiver und mobiler und wollen, ja müssen mehr sehen.

DER AUGENSPIEGEL:
Bietet das Programm auch etwas zu den Führerscheinbestimmungen bei alten Menschen?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Ja, wir haben zwei Veranstaltungen, die sich mit der Fahreignung alter Menschen befassen. Wir haben dazu verbindliche rechtliche Bedingungen. In der Realität aber werden die Dinge oft etwas anders gehandhabt. In einem Glaukomreferat wird auch auf die Frage eingegangen, wann der Glaukompatient nicht mehr Auto fahren darf. Hierbei soll diskutiert werden, bei welchen Sehausfällen das Führen eines Kraftfahrzeuges wirklich nicht mehr möglich ist.

DER AUGENSPIEGEL:
Wird das Hauptgewicht der DOG auf der AMD liegen?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
In der Tat sind schon bei den Kongressanmeldungen die retinologischen Themen führend, insbesondere die Beiträge zur AMD.

DER AUGENSPIEGEL:
Gibt es ganz neue Programmpunkte?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Ja, die gibt es. Wir haben das Wetlab-Operationsprogramm fast verdoppelt und neue Kurse eingebracht. Wir haben zum Beispiel die Keratoplastik, sowohl die perforierende als auch die lamelläre, als Operationskurs im Programm. Wir haben viele praktische Kurse eingerichtet, insbesondere auch für niedergelassene Augenärzte, in denen die neuesten Ergebnisse in praktische Erkenntnisse und Tipps umgesetzt werden sollen. Es ist für Jeden etwas dabei. Auch die Fortbildung der Arzthelferinnen voll in den Kongress integriert.

Erstmals gibt es zudem berufspolitische und sozio-ökonomische Symposien, die sich mit den spezifischen Problemen der Ophthalmologie beschäftigen werden. Vollkommen neu sind auch einige Kurse, die für die Wissenschaftler extrem wichtig sind, nämlich: „Wie werbe ich erfolgreich Drittmittel ein?“. Oder: „Wie schreibe ich ein gutes Paper“, „Wie gestalte ich einen guten Vortrag?“, das heißt wie kann ich meine Botschaft gut vermitteln. Wir bieten einen Kurs an, der sich mit der Karriereplanung befasst: Wie sieht der Weg aus, wenn ich mich niederlassen, wenn ich Klinikchef werden oder wenn ich in der Dritten Welt arbeiten will? Ich denke, das wird der erschwerten Situation des ophthalmologischen Nachwuchses gerecht. Weiterhin habe ich alle Referenten gebeten, eine „take home message“ zu erstellen. Dabei sollen die Referenten mit einem Satz angeben, welche Bedeutung der Vortrag für den Augenarzt hat.

DER AUGENSPIEGEL:
Je mehr man über eine bestimmte Erkrankung berichtet, umso mehr besteht auch die Gefahr, dass über manchmal recht abenteuerliche Therapien berichtet wird. Das wird dann von der Presse aufgegriffen, was wiederum falsche Hoffnungen bei den betroffenen Patienten erweckt. Haben Sie in irgendeiner Weise einen regulierenden Einfluss auf derartige Pressemitteilungen?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Wir haben in diesem Jahr die Pressearbeit der DOG ganz neu strukturiert und dazu eine Presseagentur engagiert, die vor und nach dem Kongress Pressekonferenzen organisiert, in der die wichtigsten Themen aufgegriffen werden, verbunden mit Statements der Gesellschaft. Schon im Vorfeld wollen wir einige Ideen in die Öffentlichkeit hineintragen.

DER AUGENSPIEGEL:
Das schützt aber nicht vor Berichten der Regenbogenpresse, die zum Beispiel vor Jahren schon mitteilte, dass man erfolgreich Augen verpflanzt habe.

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Dagegen ist man wohl machtlos. Die Pressemitteilungen sind einschließlich Bildmaterial per Homepage abrufbar, wobei auch auf Therapieverfahren und im Einzelfall auch auf „nicht empfehlbare Therapien“ eingegangen wird.

DER AUGENSPIEGEL:
Was wird außerhalb der Tagung geboten?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Berlin ist immer eine Reise wert. Wir haben diesmal eine ganz andere Eröffnungsveranstaltung in Form einer politischen Diskussion über die Zukunft der Augenheilkunde. Prof. Dr. Zöllner aus Mainz, Rainer Brüderle, Dr. Montgomery, Herr Strehl, Vorsitzender der Universitätskinika Deutschlands, und Prof. Dr. Zrenner für den Wissenschaftsrat haben ihre Teilnahme zugesagt. Moderiert wird die Diskussion von Frau Gundula Gause vom ZDF.

DER AUGENSPIEGEL:
Am Freitag ist eine Veranstaltung unter dem Titel „DOG in Bewegung“ als Charity Run tituliert. Was kann man darunter verstehen?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Es wird gelaufen. Das Tagungshotel liegt direkt am Tiergarten und viele joggen ohnehin in der Früh – das können wir dann gemeinsam machen. Der Erlös soll zum Ankauf einer Brillenschleifmaschine für eine Klinik in Bafoussam/Kamerun verwendet werden. Ein weiterer attraktiver Punkt ist das „DOG in concert“, ein Konzert von DOG-Mitgliedern im Kammermusiksaal der Philharmonie.

DER AUGENSPIEGEL:
Mit welcher Teilnehmerzahl rechnen Sie dieses Jahr?

Prof. Dr. Norbert Pfeiffer:
Nach den Voranmeldungen rechnen wir mit einer noch größeren Zahl als im vorletzten Jahr. Mit dem letzten Jahr kann man schlecht vergleichen, da wir da die gemeinsame Veranstaltung mit der SOE durchgeführt hatten. Wir gehen also von zweieinhalb bis dreitausend Teilnehmern aus.

DER AUGENSPIEGEL:
Herr Professor Pfeiffer, wir bedanken uns für das Gespräch.