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Kurznachrichten

Prof. Dr. Focke Ziemssen leitet die Klinik für Augenheilkunde in Leipzig

(16. September 2021)  

Staffelstabübergabe an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig: Prof. Dr. Focke Ziemssen hat mit seiner Berufung zum 1. September auch die Leitung von Deutschlands ältester Augenklinik übernommen. Er tritt die Nachfolge von Prof. Peter Wiedemann an, der die Klinik von 1993 bis zum Frühjahr 2021 leitete.

Der 46-jährige Netzhautexperte wechselt vom Universitätsklinikum Tübingen, wo er die letzten Jahre stellvertretender Klinikdirektor war. Einer der Schwerpunkte seiner klinischen und wissenschaftlichen Arbeit sind die Auswirkungen von Diabetes auf das Auge. Jugendliche Diabetesformen und die Detektion neuer Mutationen untersuchte er bereits in seiner Promotion.

Weitere Schwerpunkte seiner Forschung, der er sich unter anderem während eines Auslandsaufenthaltes am „Centre of Molekular and Cell Imaging“ in London widmete, sind die Makuladegeneration, zelluläre Mechanismen der Netzhaut, die starke Kurzsichtigkeit sowie Fragen der augenmedizinischen Versorgung. Mit Blick auf den großen Schwerpunkt der Stoffwechselerkrankungen, die breit aufgestellten Neurowissenschaften und das Leipziger Fraunhofer-Institut für Immunologie freut sich Prof. Ziemssen darauf, jetzt in Leipzig mit einem großen Kreis von Kollegen aus den verschiedensten Fächern zusammenarbeiten zu können. „Ich kann hier auch an die großartige Arbeit meines Vorgängers Prof. Wiedemann anknüpfen“, so Prof. Ziemssen. “Die Klinik ist, wie unser gesamtes Fachgebiet, sehr breit aufgestellt. Wir behandeln alle Altersgruppen von Kleinkindern bis zu hochaltrigen Senioren”. Das Spektrum reicht von entzündlichen Augenerkrankungen (Uveitis), der Schielambulanz, Kontaktlinsenanpassung und elektrophysiologischen Diagnostik von Netzhauterkrankungen über die Versorgung schwerer Unfälle und Hornhaut-Transplantationen bis hin zur Glaukom- und Tumorchirurgie.

Das Auge, beschreibt Prof. Ziemssen, sei zwar ein kleines, aber ein hochkomplexes Organ, bei dessen diagnostischer Untersuchung und Behandlung eine Vielzahl ausgefeilter technischer Instrumente zum Einsatz kommt. „Das macht unsere Arbeit anspruchsvoll, aber auch sehr spannend und abwechslungsreich. Mit dem rasanten Fortschritt der technischen Innovationen wie Gentherapie und Robotik wachsen auch unsere Möglichkeiten“, so der Ophthalmologe, der sich mit diesen Fragen auch in seinen Funktionen im Vorstand der Retinologischen Gesellschaft und als Vorsitzender der Initiativgruppe „Früherkennung diabetischer Augenerkrankungen“ beschäftigt.

Die Aufgabe der universitären Augenmedizin sieht er in der Ergänzung der Leistungen der niedergelassenen Augenärzte und in der Weiterentwicklung neuer Verfahren und Ansätze. „Ich freue mich hier auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Augenärzten in der Region sowie eine gute Kooperation mit den Kliniken in Chemnitz und Dresden“, so Ziemssen, der nicht nur auf Leipziger Vorfahren verweisen kann, sondern auch verwandtschaftliche Verbindungen nach Dresden hat. Auch deshalb freue er sich, jetzt nach Sachsen zu kommen.

Unter seinen Zielen für die kommenden Jahre ist neben dem weiteren Einsatz in der Versorgungsforschung auch die breite Aufklärung über Augenerkrankungen. Ziemssen: „Besonders wichtig ist es, die Betroffenen ins Zentrum zu rücken. Ein Wunschziel wäre der gut informierte Patient, der weiß, welche Beschwerden wie einzuschätzen sind und bei ernsten Problemen rechtzeitig den Weg zu uns findet.“

Deshalb engagiert er sich unter anderem in dem Initiativkreis „Sehen im Alter“ seit Jahren in Patientenorganisationen und der Selbsthilfe, die sich einerseits gegen Fehlanreize und Fehlentwicklungen als Auswüchse der Kommerzialisierung und andererseits um Barrierefreiheit und eine Rehabilitation nach Sehverlust bemühen. „Der Erhalt der Sehkraft hat für alle eine große Bedeutung. Um so wichtiger ist es, verständliche Informationen zu erhalten und sich auf die unabhängige Beratung verlassen zu können. Wenn es darum geht, vermeidbaren Sehverlust zu verhindern, dürfen unsere Patienten darauf vertrauen, dass wir sie wie unsere eigenen Angehörigen beraten und betreuen.“

Quelle: Universitätsklinikum Leipzig