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Kurznachrichten

Pro Retina fordert bessere Rahmenbedingungen für Therapie-Innovation

(4. Juni 2019)  

Die PRO RETINA Deutschland fordert nachhaltige Rahmenbedingungen für Innovationen zur Therapie von seltenen Erkrankungen. Anlass sei die Einstellung der Geschäftstätigkeit des Unternehmens Retina Implant, die die Firma im Frühjahr angekündigt habe, teilt die “Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen” mit. 

“Gleich zwei Innovationen für Menschen mit der seltenen erblichen Netzhauterkrankung RP sind von der Schließung der Reutlinger Firma Retina Implant betroffen. Es sind deren beiden wichtigsten Produkte: zum einen der subretinale Netzhautchip Alpha AMS, der bereits an RP erblindeten Menschen ein wenigstens bescheidenes visuelles Orientierungsvermögen wieder zurückgeben sollte, zum anderen die transcorneale Elektrostimulation (TES), die bei RP-Patienten mit noch vorhandenem Sehvermögen das schicksalhafte Fortschreiten ihrer Augenerkrankung verlangsamen sollte”, so die PRO RETINA Deutschland e.V., die Selbsthilfevereinigung von Menschen mit Netzhautdegenerationen.

Realistische Hoffnung für mehr Lebensqualität

„Wenngleich diese hochtechnologischen Therapieangebote weit von einer Heilung unserer unaufhaltsam fortschreitenden Netzhautdegeneration und auch weit vom Traum eines halbwegs normalen Sehvermögens entfernt sind, so stellten sie doch nach jahrzehntelangen kostenintensiven Forschungsaktivitäten in diesem Bereich erstmals für viele Patientinnen und Patienten eine realistische Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer nachhaltig beeinträchtigten Lebensqualität dar“, sagt der Vorsitzende Franz Badura.

„Und gerade auch Retina Implant hat sich nicht mit der alleinigen Marktzulassung seiner Produkte über ein entsprechendes CE-Zertifikat begnügt“, ergänzt Markus Georg, Geschäftsführer von PRO RETINA. Vielmehr habe sich die Firma dafür stark gemacht, den Nutzen der TES für Patienten als Voraussetzung für eine Kostenerstattung durch das deutsche Gesundheitssystem zu belegen. Der Hersteller hatte 2014 beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Durchführung einer Erprobungsstudie beantragt, mit der noch bestehende Evidenzlücken geschlossen werden sollten. Der Hersteller hatte sich seinerzeit auch bereit erklärt, sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben an den Studienkosten zu beteiligen.

Erprobung lässt immer noch auf sich warten

In der Folge hat der G-BA mit fachlicher Unterstützung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) das Potenzial der TES bestätigt und 2017 die Durchführung einer Erprobungsstudie beschlossen. In einem solchen Rahmen würden anfallende Behandlungskosten vom G-BA bzw. von den Krankenkassen getragen werden. Allerdings sei auch fast fünf Jahre nach Antragsstellung angesichts der zeitaufwändigen formalen Erfordernisse die praktische Umsetzung dieser Erprobung leider noch nicht gelungen, heißt es seitens der PRO RETINA. Und die damit verbundenen Hoffnungen vieler Patientinnen und Patienten drohen nun hinfällig zu werden – es sei denn, es finde sich kurzfristig doch noch ein Interessent, der die Produktion des Ocustim®-Systems weiterzuführen bereit ist.

Innovation muss im Lebensalltag ankommen

PRO RETINA Deutschland fordert von politisch Verantwortlichen, nachhaltig geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen, die es auch klein- und mittelständischen Unternehmen ermöglichen, unter überschaubaren finanziellen Risiken Innovationen zu entwickeln und auch für Patientinnen und Patienten mit seltenen Erkrankungen ohne überhöhte administrative Hürden zugänglich zu machen. „Ansonsten“, so Badura, „drohen solch kleine Patientengruppen, wie bei der Retinitis pigmentosa, wirklich zu „Orphans“, nämlich zu Waisenkindern des medizinischen Fortschritts zu werden und – wie jetzt – sprichwörtlich „in die Röhre zu schauen“.


Über Retinitis pigmentosa (RP):
Retinitis pigmentosa (RP) bezeichnet eine Gruppe von erblichen Augenerkrankungen, die eine Zerstörung der Netzhaut (Retina), des sehfähigen Gewebes am Augenhintergrund, zur Folge hat. In der Regel beginnt sich dabei das Gesichtsfeld von den Außenzonen her einzuengen, bis nur ein kleiner Sehrest im Zentrum übrigbleibt, der sogenannte. Tunnelblick oder das Röhrengesichtsfeld. Es gibt zahlreiche Unter- und Sonderformen dieser seltenen Augenerkrankung. Betroffen sind in Deutschland etwa 30.000 bis 40.000 Menschen. Mehr Informationen unter:

http://www.pro-retina.de/netzhauterkrankungen/retinitis-pigmentosa/krankheitsbild

Über PRO RETINA: PRO RETINA Deutschland e.V. wurde 1977 als “Deutsche Retinitis Pigmentosa-Vereinigung” von Betroffenen und deren Angehörigen mit der Absicht gegründet, sich selbst zu helfen. Sie ist damit die älteste Patientenorganisation für Menschen mit Netzhauterkrankungen. Deutschlandweit hat die Selbsthilfevereinigung 6.000 Mitglieder sowie Aktive in 56 Regionalgruppen. PRO RETINA Deutschland fördert gegenseitige Patientenhilfe, Aufklärung und Prävention von Netzhauterkrankungen und die wissenschaftliche Forschung. Ihre Arbeit ist gemeinnützig.

Quelle:
PRO RETINA
http://www.pro-retina.de