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Kurznachrichten

Neue Erkenntnisse zu Mechanismus der Gestaltwahrnehmung

(19. Juli 2018)  

Wissenschaftler der Universität Graz und Tübingen untersuchten, welche Regionen im Gehirn bei komplexen visuellen Verarbeitungsprozessen aktiv sind. Dabei machten die Forscher eine überraschende Entdeckung: Für die Gestaltwahrnehmung ist vor allem ein Areal im Scheitellappen der Großhirnrinde zuständig, der intra-parietale Sulcus (IPS). Frühere Studien hatten diese Funktion überwiegend dem Schläfenlappen zugeordnet. Die Erkenntnis, die ein neuer Schlüssel zum besseren Verständnis der subjektiven Wahrnehmung ist, wurde kürzlich im Journal of Neuroscience online publiziert.

Zu den höheren visuellen Funktionen zählt etwa die Fähigkeit der Gestaltwahrnehmung. Sie erlaubt es, beim Anblick eines Objekts nicht nur die Details, sondern seine Gesamtheit zu sehen. Um herauszufinden, welche neuronalen Mechanismen bei der Gestaltwahrnehmung eine Rolle spielen, haben die Forscher den Teilnehmer ihrer Studie zweideutige visuelle Stimuli gezeigt und dabei mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) die Gehirnaktivität der Probanden beobachtet. Als Stimuli wurden insgesamt drei unterschiedliche bewegte grafische Darstellungen verwendet, die jeweils zwei- und dreidimensional gesehen beziehungsweise interpretiert werden können.

„Bei allen drei Stimuli fanden wir eine gemeinsame Aktivität im IPS, wobei sie bei der komplexen, dreidimensionalen Interpretation in jedem Fall stärker als bei der einfachen war“, berichtet Natalia Zaretskaya vom Institut für Psychologie der Universität Graz. Die Probanden wurden auch gefragt, für welche Variante sie sich intensiver konzentrieren mussten, um sie zu erkennen. „Es zeigte sich, dass die Aktivität im IPS vom Grad der Konzentration unabhängig ist“, ergänzt die Wissenschafterin.

„Da alle drei voneinander verschiedenen Stimuli dasselbe Ergebnis liefern, ist dies ein Hinweis darauf, dass das Aktivierungsmuster im IPS einen allgemeingültigen Mechanismus für die Gestaltwahrnehmung darstellen könnte“, fasst mit Pablo Grassi, der gemeinsam mit Andreas Bartels von der Universität Tübingen zur Arbeitsgruppe gehört, die bedeutenden Erkenntnisse zusammen.

Originalpublikation:
Pablo R. Grassi, Natalia Zaretskaya, Andreas Bartels. A generic mechanism for perceptual organization in the parietal cortex. Journal of Neuroscience.
http://www.jneurosci.org/content/early/2018/07/13/JNEUROSCI.0436-18.2018

Quelle:
Karl-Franzens-Universität Graz