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Kurznachrichten

IQWiG-Abschlussbericht zum OCT bei Netzhauterkrankungen

(11. Juli 2017)  

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat seinen Abschlussbericht zum Einsatz der Optischen Kohärenztomografie (OCT) zur Diagnostik und Therapiesteuerung bei neovaskuläre altersbedingter Makuladegeneration (nAMD) und diabetischem Makulaödem (DMÖ) vorgelegt: danach sind Nutzen und Schaden des OCT weiter unklar. Für seinen Vorbericht vom November 2016 hatte das IQWiG lediglich zwei randomisierte, kontrollierte Studien in die Bewertung einbeziehen können, beim Abschlussbericht waren es nun acht.

Trotz des größeren Studienpools blieben jedoch wichtige Fragen weiterhin offen, so das IQWiG, das im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) primär zwei Fragestellungen untersuchen sollte: Zum einen, ob die OCT für die Diagnose einer Netzhauterkrankung nützlich ist; zum anderen, ob sich mittels OCT der Bedarf für die Injektion von VEGF-Inhibitoren besser kontrollieren und steuern lässt. Für die erste Fragestellung lagen keine Daten vor, weshalb der Bericht primär die OCT in der Therapiesteuerung untersuchte.

Am besten sei die Datenlage für Patienten mit nicht vorbehandelter nAMD beim Vergleich zwischen OCT und einer monatlichen Behandlung, also nach einem festen Zeitintervall. Hier gäbe es aussagekräftige Daten für alle patientenrelevanten Endpunkte (Sehvermögen, Schmerzen, Fremdkörpergefühl, unterwünschte Ereignisse sowie die gesundheitsbezogene Lebensqualität).

Bei den meisten Zielkriterien hätten sich keine relevanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen gezeigt. In Hinblick auf die Verbesserung der Sehschärfe würden die Ergebnisse dagegen schlechter ausfallen, wenn die Therapie durch OCT gesteuert wird. Hierbei weisen die Autoren aber darauf hin, dass nicht die OCT-Diagnostik selbst das Sehvermögen negativ beeinflusst, vielmehr entstehe das Problem erst mit der Interpretation der OCT für Therapieentscheidungen. „In einigen Studien hat man offenbar zu sehr den OCT-Befunden vertraut, sodass viele Injektionen als unnötig gewertet und weggelassen wurden. Eine solche ‚Untertherapie‘ führte dann aber zu einem schlechteren Sehen“, erläutert Stefan Sauerland, Ressortleiter Nichtmedikamentöse Verfahren im IQWiG.

Bei nicht vorbehandelten nAMD-Patienten liegen belastbare Daten auch für den Vergleich einer allein auf die Sehschärfe basierenden Therapiesteuerung mit einer Steuerung mittels Sehschärfe ergänzt um OCT vor. Für Sehvermögen, Schmerzen und Lebensqualität zeigen die Daten keine relevanten Unterschiede. Mit OCT brechen die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer allerdings häufiger die Therapie aufgrund von unerwünschten Ereignissen ab. Auch dieses Ergebnis sei mit Vorsicht zu interpretieren, da sich die unerwünschten Ereignisse sich über alle Organe des Körpers verteilen würden und nicht zu erkennen sei, dass sie durch die Behandlung des Auges verursacht wurden.

Für Patienten mit vorbehandelter nAMD gibt es Studienergebnisse lediglich für den Vergleich von OCT mit einer monatlichen Behandlung und das auch nur für den Endpunkt „Sehvermögen“. Und – im Gegensatz zu den nicht Vorbehandelten – zeigen sich keine relevanten Unterschiede.

Beim diabetischen Makulaödem (DMÖ) fallen die Ergebnisse nicht zugunsten oder zuungunsten der Steuerung mittels OCT aus. Folglich sieht das IQWiG hier auch keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen oder Schaden.

Neben den genannten patientenrelevanten Endpunkten wurde der Aufwand für die jeweiligen Therapien respektive ihrer Steuerung betrachtet: Vor allem bei Patienten mit nicht vorbehandelter nAMD zeigt sich im Vergleich der OCT-gesteuerten Behandlung mit einer monatlichen Behandlung eine niedrigere Injektionshäufigkeit (im Mittel etwa 13 gegenüber 23 Injektionen über einen Zeitraum von zwei Jahren). Doch zum einen konstituiere der interventions- und erkrankungsspezifische Aufwand allein keinen Nutzen, zum anderen fallen gerade bei dieser Patientengruppe die Ergebnisse zur Sehschärfe besonders stark zuungunsten der OCT aus. Das ist ein Indiz dafür, dass weniger Injektionen eine unzureichende Therapie bedeuten.

„Die großen Erwartungen, die viele Fachleute an die OCT knüpften, wurden bislang nicht bestätigt. Ob man mit der OCT den Patientinnen und Patienten wirklich Injektionen ins Auge ersparen kann, ohne Therapieergebnisse zu gefährden, bleibt fraglich.“, so Sauerland.

Quelle:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
http://www.iqwig.de